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Leitartikel der Woche

Kontrolle – Identität – Persönlichkeit
Christian Marold
christian.marold@rzg.at
Derzeit gibt es auf Ö3 die Kampagne „Ich bin kein Smartloch“. Hierbei stellen sich Promis aber auch Verkehrsex­perten zur Verfügung, um auf die Gefahren mit dem Handy oder Smartphone im Straßenverkehr hinzuweisen. Die Benutzung des Smartphones im Straßenverkehr nimmt eine immer größere Dimension an und damit auch verbunden der eigene Kontrollverlust. Egal ob im Auto, auf dem Fahrrad oder als Fußgänger, das Smartphone aktiv während einer anderen Tätigkeit auf der Straße zu benutzen kann im schlimmsten Fall tödlich enden. Jeder von uns hat diesen Kontrollverlust entweder selbst schon einmal erlebt oder musste auf Grund anderer, sogenannten „Gefährder“, reagieren. In größeren Städten gibt es für die Fußgänger mittlerweile bei Ampeln am Boden angebrachte Blink-
elemente, damit die sogenannten „Smombies“ (Fußgänger die nur auf ihr Handy schauen und wie Zombies durch die Gegend laufen) die Fußgängerampel nicht übersehen.
Das Smartphone soll uns helfen den Alltag etwas besser zu managen. Leider hat diese Technologie auch ihre Schattenseiten. Zum einen verlässt man sich zu sehr darauf und zum anderen erzeugt es gerade im Straßenverkehr ein extrem autistisches Verhalten. Diese Kampagne von Ö3 ist darum so enorm wichtig, weil sie aufzeigt, dass nur ein kurzer Augenblick Ablenkung durch das Smartphone tödliche Folgen haben kann.
Verlust kann in vielen Facetten und Bereichen unseres Lebens auftreten. So auch der eigenen Identität. Gerade Jugendliche oder Menschen die aus ihrer Heimat flüchten mussten, sind auf der Suche nach der eigenen Identität. Diese finden viele in Traditionen des eigenen Kulturkreises wieder, oder schließen sich Gesinnungen an, die eine solche scheinbar gefestigte Identität mit Leitbildern und teilweise auch falschen Ideologien bewerben. Für Menschen, die ohne spürbare eigene Identität auf der Suche sind, kann das ein kurzer Moment an Halt im Leben bedeuten. Darum ist es umso wichtiger, junge Menschen von klein auf zu stärken, ihnen Halt und Geborgenheit zu geben damit sie ihren eigenen Weg finden. Man kann jetzt auch ein Gegenargument setzen und fragen, ob diese Identitätsbildung aus dem Elternhaus immer die richtige ist? Wenn junge Menschen sich aber für einen komplett anderen Weg im Glauben und des Miteinanders entscheiden, dann wird der Halt zu Hause ziemlich sicher nicht groß genug gewesen sein. Bei Menschen mit Migration­shinter­grund ist diese Aufgabe mitunter noch schwerer, denn sie sind in einem für sie fremden Land ständig auf der Suche nach der eigenen Identität. Hier kann das Umfeld in gesell­schaft­licher Form eine Offenheit anbieten um mitgebrachte Werte nicht komplett zu unterdrücken und die bestehenden Werte des fremden Landes mit auf den Weg zu geben. Ein schwarz-weiß-Denken an dieser Stelle gibt es nicht.
Das alles stärkt die eigene Persönlichkeit und macht Menschen, egal ob jung oder alt zu wichtigen Mitgliedern unserer Gesellschaft. Es gibt leider zahlreiche andere Einflüsse, die einen Persönlich­keits­verlust hervorrufen können. Die besten Beispiele sind Drogen und da zähle ich auch den Alkohol dazu. Gesetzlich sind diese Einflüsse auch sehr oft eine heikle Angelegenheit. So stellt man sich immer wieder die Frage, warum ein Mensch unter Drogeneinfluss bei einer Tat eine geringere oder eine andere Strafe bekommt, als wenn er dies mit all seinen Sinnen macht? Sind Drogen also eine Ausrede für Taten die begangen werden weil man einen Persönlich­keits­verlust „erlitten“ hat?
Mehr zum Thema „Verlust“ erfahren Sie in dieser Ausgabe auf den Seiten 20 und 21.

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