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Leitartikel der Woche

Mit oder ohne?
Christian Marold
christian.marold@rzg.at
Bis Sonntag finden in St. Arbogast die „Tage der Utopie“ statt. Dort gibt es interessante Vorträge zum Thema „Entwürfe für eine gute Zukunft“. Wie sieht aber eigentlich eine gute Zukunft für jeden einzelnen aus? Was benötigen wir, um eine bessere Zukunft zu haben? Die Liste mit Wünschen ist dabei sehr lang. Manche Wünsche sind in der Tat utopisch und fern jeglicher Realität. Nicht weil diese Wünsche nicht umsetzbar wären, sondern vielmehr auf Grund unserer gesell­schaft­lichen Entwicklung mit dem Status Quo nicht kombinierbar sind. Andere zukunftsweisende Entwicklungen finden bereits statt und dabei lohnt es sich auch über den Tellerrand zu schauen oder wie in unserem Fall in andere Länder.
Seit geraumer Zeit gibt es in Österreich immer wieder die Diskussion über die Einführung von Bankomatgebühren. Im Bundesland Tirol gibt es diese bereits vereinzelt und in Deutschland wurden kürzlich sogar für die eigenen Hausbankkunden solche Gebühren eingeführt. Für Fremdbanken gibt es diese Gebühren in Deutschland schon lange. Bleibt aber am Ende die Frage offen: Warum überhaupt Bankomatgebühren? Für jede Bank ist ein Geldautomat keine Cash-Kuh, sondern viel mehr ein Posten in der Bilanz, der nur Geld kostet. Und das richtig viel. In Österreich ist dieser Service für die Kunden immer noch kostenlos. Für viele Bankdirektoren wäre daher der Wechsel von Bargeld in eine bargeldlose Gesellschaft mitunter ein willkommener Gedanke. Warum auch nicht? Bargeld hat nur einen haptischen Wert, den man mitschleppt (vor allem die unnötigen Münzen) und verschlingt in der Produktion ein Vermögen.
Die skandinavischen Länder, insbesondere Schweden, sind in der Bargeldablöse ganz vorne mit dabei. In Schweden gibt es unzählige Bezahlmöglichkeiten ohne Bargeld und dabei werden nicht nur große Beträge mit Karten oder gleich direkt mit dem Smartphone bezahlt, sondern auch wirklich kleine Beträge, wie eine Kaugummipackung oder einen Kaffee in der Bäckerei. Die schwedischen Banken forcieren diese Entwicklung, denn sie sparen sich dabei Zeit und logistischen Aufwand. Viele Geschäfte verweigern geradezu das Bezahlen mit Bargeld. Heißt im Umkehrschluss, dass die schwedische Krone als Papier und Münze im Tauschhandel mit Waren immer mehr verschwindet. Für Österreich utopisch? Nein, warum nicht? Wie viele Dinge bezahlen wir im alltäglichen Leben schon mit der EC- oder Kreditkarte? Wie viele Bankgeschäfte erledigen wir heutzutage schon online? Wie oft fluchen wir, wenn wir in einen Parkautomaten zehn Euro reinstecken und acht Euro und fünfzig Cent in Form von Münzen wieder bekommen? In Schweden ist es nur eine Gruppe von Pensionisten, die sich von Bargeld nicht lösen kann. Der Rest der Schweden ist bereits in einer bargeldlosen Zukunft gelandet. Kritiker weisen zu Recht darauf hin, dass der Mensch durch die Abschaffung von Bargeld noch gläserner wird, und sich dabei noch abhängiger macht von gewissen kommerziellen Lobbyisten. Bargeld birgt aber genauso Gefahren und wenn der Trend eh schon in Richtung bargeldlose Gesellschaft geht, warum dann nicht gleich konsequent sein? Vielleicht bekommen unsere Enkelkinder als monatliches Taschengeld sogenannte Credits auf ihr Konto? Bezahlt wird nur noch mit Karte, Chip oder per App auf dem Smartphone. Klingt utopisch? All das gibt es schon. Aber es gibt auch noch Menschen, die alles nach wie vor in Schilling umrechnen.

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