Leitartikel der Woche
Ein Leben im Stau
Kaum weniger Fahrzeuge drängeln sich laut dem Bericht täglich um den Kreisverkehr bei der Autobahnabfahrt Dornbirn Süd. Die L204 erkämpft sich im Verkehrsranking der meistbefahrenen Landesstraßen mit 22.280 Fahrzeugen den zweiten Platz. Es folgen die L190 in Frastanz (21.203) vor der L202 in Höchst (20.170) und der L190 in Feldkirch (19.909). Staubedingte Verzögerungen von zehn bis 20 Minuten gehören zum Autofahreralltag dazu.
Vergleicht man die aktuellen Werte jedoch mit jenen der vergangenen Jahre, so zeige sich eine stagnierende Entwicklung. „Wir haben früher jährlich mit Steigerungen von zwei Prozent im Jahr gerechnet. Die großen Anstrengungen im öffentlichen Verkehr machen sich aber mittlerweile bemerkbar”, zitiert die VN Arno Schwärzler von der Abteilung Straßenbau im Land. Allerdings profitierten nicht alle Straßen von dieser Entwicklung. An den Grenzen in Lustenau (plus 17 Prozent in fünf Jahren) und Mäder (plus 29 Prozent) steigt die Verkehrsbelastung deutlich.
Die tendenzielle Abnahme der Verkehrsbelastung auf den Landstraßen ist – auch wenn es den dort im Stau steckenden Autofahrern nichts nützt – jedenfalls dem steten Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs mit Bahn und Bussen zu verdanken. Übrigens: Die Kosten für den öffentlichen Verkehr werden zu einem überwiegenden Teil von Land, Städten und Gemeinden finanziert, und nicht, wie oft angenommen, von den ÖBB. Und dennoch scheint das Angebot entweder nicht auszureichen oder zumindest nicht attraktiv genug zu sein. Abhilfe könnte hier vielleicht ein effizienter Ausbau des „Park & Ride“-Systems schaffen.
Eines von vielen Beispielen: Trotz relativ guter Busverbindungen im Leiblachtal sind etliche Anwohner nicht zuletzt aus Zeitgründen darauf angewiesen, mit dem Auto zumindest bis zum Bahnhof Lochau zu fahren, um von dort mit dem Zug etwa nach Bregenz zur Arbeit zu fahren. Der Parkplatz am Lochauer Bahnhof ist zwar ein generell bewirtschafteter, es gibt jedoch Sondertarife für Jahreskartenbesitzer – allein, die sind extrem teuer. Kostet die Jahreskarte von Lochau nach Bregenz schon 160 Euro, müssen für den Parkplatz noch einmal 98 Euro pro Jahr berappt werden. Noch unattraktiver ist es ohne Jahreskarte: Will man nur einmal mit der Bahn von Lochau nach Bregenz und wieder retour, kostet das Zugticket 2,40 Euro, der Parkplatz jedoch 5,50 Euro – da fährt man gleich mit dem Auto weiter, über die Seestraße, und staut vor sich hin.
Auch in Dornbirn zahlen Öffi-Jahreskartenbesitzer für einen Parkplatz 200 Euro im Jahr – lediglich 50 Euro weniger als Parker, die keine öffentlichen Verkehrsmittel verwenden. Auch nicht gerade ein finanzieller Anreiz, ganz abgesehen davon, dass es in ganz Vorarlberg lediglich 815 solcher Park & Ride-Stellplätze gibt. Der für Parker kostengünstige Ausbau dieses Systems könnte vielleicht zu einer Verkehrsentlastung beitragen – dazu müssten sich jedoch Land, Städte, Gemeinden und ÖBB (als Grundstückseigner) zusammensetzen und dies auch wollen.

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Stadtgeflüster
Bregenz
22.05.2013
Danke
Markus!
Markus!
Es ist nicht ganz einfach über jemanden zu schreiben, den man seit Jahrzehnten als guten Freund schätzt, mit dem man rund 500 Konzerte gespielt hat und zudem auf unzähligen Festen – mal von ihm, mal von mir veranstaltet – reichlich Spaß hatte. Dennoch – oder deshalb! – ist es mir ein Bedürfnis, Markus Linder für 15 Jahre New Orleans-Festival an dieser Stelle zu danken. Nicht, weil er mit seinem Fest meinen Musikgeschmack, der doch etwas ausgefallener ist, 100%ig getroffen hätte; obschon ein paar megageile Gigs schon dabei waren. Auch nicht, weil er eine öffentliche Huldigung unbedingt brauchen würde – ich kann mich bei ihm durchaus auch bei einem Bier unter vier Augen einschleimen.
Nein, der Grund ist, dass er aus eigener Initiative eine Idee hatte und diese in Bregenz umgesetzt hat(dafür auch dem viel gescholtenen Ex-Marketingleiter Mike Dünser nachträglich eine Kusshand). Wahrscheinlich wird das Festival wie so oft erst richtig vermisst werden, wenn es eben nicht mehr da ist. Nun kann man solche Events mögen oder auch nicht, aber das New Orleans-Festival hatte, wie Linder es zu Recht selbst ausdrückt, „Spirit“. Kein anderes Fest vergleichbarer Größe im Ländle hat auch nur annähernd soviel Charme wie das New Orleans-Festival; vielleicht liegt das – man vergleiche es mit dem Hafen- oder Seefest – an der Lage, vielleicht an der Musik, vielleicht am Publikum; ich denke, wohl eher an der zündenden Grundidee. Somit verlieren wir mit dem New Orleans-Festival einen herausragenden Event, der nur mit dem poolbar- oder Seelax-Festival – allerdings in geballterer Form – vergleichbar ist. Das ist schade; ob das Konzept, in Zukunft Richtung Jazz zu gehen und damit wohl elitärer zu werden, aufgeht, bleibt abzuwarten. Leicht wird’s nicht.
Und noch was: Auch die „Lange Nacht der Musik“, in Bregenz mittlerweile fast inflationär drei Mal pro Jahr ein Höhepunkt des ansonsten überschaubaren Nachtlebens, ist ebenfalls eine Erfindung von Linder, der die in New Orleans gelebte Livestimmung auch in unser Städtchen brachte. Dafür wird Bregenz beneidet. Auch dafür danke.
Feldkirch
22.05.2013
Einladungs-Titelzeilen-Möglichkeiten
Ein wenig Schmunzeln musste ich schon, als ich die Einladung zur „Eröffnung Egelsee“ erhielt. Natürlich war mir klar, dass in etwa gemeint war „Eröffnung der Wasserschutz- und Naherholungszone Egelsee sowie des neuen asphaltierten Radweges“ – aber bei so einem langen Titel in einer Einladung wären manche wohl etwas verschreckt gewesen und hätten vielleicht gesagt: „Da geh’n wir aber nicht hin, das ist uns zu kompliziert!“
In Wahrheit wird der Egelsee natürlich nicht er- oder geöffnet – das wäre auch zu blöd, dann würde das ganze Wasser ja gleich wieder abrinnen – während die Erstbefahrung der neuen Radstrecke durchaus mit „geöffnet“ umschrieben werden kann. Beides wird zudem, wie hier üblich, gesegnet. Andererseits hätte eine Einladung mit dem Titel „Segnung Egelsee“ nicht nur etwas sehr pathetisch geklungen, es hätte wiederum Menschen anderer Konfessionen verschreckt, die vielleicht gesagt hätten: „Da gehen wir aber nicht hin, das ist uns zu klerikal!“
Sei’s drum – das Öko-Etikett ist jedenfalls nicht nur wegen der Wasserpflanzen- und Tierwelt kein gleichnamiger Schwindel, sondern wird auch vorgelebt - die „Eröffnung Egelsee“ findet in einer Gegend statt, in der Autos unerwünscht sind, was nicht nur heißt, dass außer Notdiensten dort niemand fahren darf (und parken kann), sondern mich zudem zwingt, seit längerem eine Strecke von mehr als 600 Metern mit dem Rad zurückzulegen. Für diesen kleinen Dienst an der Erhaltung meiner Kondition und Gesundheit möchte ich den Verantwortlichen ganz ausdrücklich danken.
Was außerdem schön ist: Das erste Open-Air im Rahmen des poolbar-Festivals. Ich habe mich ohnehin schon des Öfteren gefragt, warum die Veranstalter nicht schon längst und öfter auf das Reichenfeld zurückgegriffen haben. Das eine oder andere Happening auf der Wiese hätte nicht nur Sonnenanbetern eine glücklichere Miene ins Gesicht gezaubert als die doch etwas grau(sam)e Halle im Hallenbad. Und wenn’s regnet, kann man ja immer noch ausweichen. Mit den Anrainern scheint man ja reden zu können – ein Open-Air im poolbar-Programm ist zumindest ein Anfang.
Gastkommentar
Kosten-Wahrheit über Dienstleistungen-Zukauf gefragt...
Möglicherweise tickt im Bregenzer Landhaus eine landespolitisch gefährliche Bombe, die es gilt – sollte sie tatsächlich »scharf« sein – von Landeshauptmann Markus Wallner schleunigst entschärft zu werden.
Aus einer Beantwortung einer SPÖ-Anfrage an das Sozialressort von Landesrätin Greti Schmid ging nämlich hervor, dass seit 2009 sogenannte externe Dienstleistungen von mindestens 2,8 Millionen – wie es so schön heißt – zugekauft wurden.
Die Opposition reagierte mit harscher Kritik, obgleich LR Schmid selbst die Kritik zurückwies und sich damit rechtfertigte, dass wichtige Initiativen und Projekte damit rasch und unbürokratisch umgesetzt werden konnten.
Die Ressortleiterin wird jedoch nicht umhin kommen, die einzelnen Projekte nicht nur zu erörtern , sondern auch einer genauen Prüfung zuzuführen und sich auch die Frage gefallen lassen müssen, ob wirklich alles an solchen Leistungen zugekauft werden musste.
Denn bekanntlich sind Leistungen, die von einer Regierung aus privaten Unternehmen zugekauft werden müssen, sehr teuer, denn diese Unternehmen gelten bekanntlich als hochpreisig.
Aber nicht nur das Sozialressort von Greti Schmid wird sich in dieser Sache restlos erklären müssen. Es ist von der Opposition vorgesehen, auch von allen anderen Ressorts einen genauen Überblick über solche Dienstleistungen-Zukäufe und deren Kosten zu verlangen und zu fragen, ob man hier nicht das Eine oder Andere billiger und vielleicht besser von eigenen Leuten ausarbeiten hätte lassen können.
Auch dürfte sich der Rechnungshof nun damit ausführlich zu befassen haben – geht es doch auch hier um Gelder von Steuerzahlern, die sonst schon genug zur Kasse gebeten werden...
Dass die eine oder andere Dienstleistung von bundes- und landeseigenen Ressorts fallweise zugekauft oder arbeitsmäßig erledigt werden, weil es an eigenen Kräften mangelt, ist nicht immer gegeben und verständlich.
Nicht verständlich und unakzeptabel wäre, wenn hochpreisig tätige externe Privatunternehmen bei jeder Gelegenheit in Anspruch genommen würden, nur weil man damit erstens keine Arbeit mit unangenehmen Projekten hat und zweitens sich auch damit jeglicher Verantwortung entziehen kann.
Dies wird auch solange nicht angenommen, solange die Nötigkeit gewisser Dienstleistungs-Zukäufe klargestellt werden kann. Und wer trifft hier die Entscheidungen?
In den letzten Jahren jedoch hat sich die Sitte oder auch Unsitte bei staatlichen Institutionen und speziell bei der Bundesregierung eingebürgert, Dienstleistungen, die man hätte auch selbst bewerkstelligen können, von externen Privatunternehmen zuzukaufen.
Dass hier das berüchtigte Lobbyisten-Unwesen, Partei-Freunderlwirtschaft und andere »Erleichterungen« mitspielen konnten, sei dahingestellt...
Jede öffentliche Institution und speziell die Bundesregierung und die Landesregierungen haben in den jeweiligen Ressorts ihre festangestellten Mitarbeiter, die sich in ihrem Metier auszukennen haben und in erster Linie versuchen müssen, ihre Arbeit selbst zu tun.
Deshalb sind Vergaben externer Dienstleistungen genau zu prüfen und auch nachhaltig zu rechtfertigen, von der vorherigen genauen Prüfung der dabei entstehenden Kosten ganz zu schweigen...
Wie es sich nun wirklich mit dem kritisierten Dienstleistungen-Zukauf durch den Sozialressort von LR Schmid verhält, aber auch mit jenen Zukäufen in den anderen Ressortstellen der Landesregierung, werden wir in den nächsten Wochen erfahren.
Wie eingangs angetönt, könnten diese Ausgaben von Extra-Millionen von Steuergeldern – sofern sie nicht ausdrücklich notwendig und zweckgebunden waren – eine brisante landespolitische Bombe bedeuten.
Jedenfalls hat die Bevölkerung ein verbrieftes Recht, bis ins letzte Detail zu erfahren, wozu jene Euro ausgegeben werden, die angeblich durch externe Dienstleistungen in Millionenhöhe zugekauft werden müssen. Transparenz ist – unter uns gesagt – gerade im Ausgabenbereich einer Institution wichtig, die sich für ein Land als Volks-Treuhandstelle erweisen soll...
22.05.2013
Am Samstag wird dar Egelsee „eröffnet“ - Ischt des bloß a komische Wortwahl oder rinnt der denn wirkle uus?







