Leitartikel der Woche

Ohne viel Rauch
Christian Marold
christian.marold@rzg.at
2018 soll es also in Kraft treten. Das totale Rauchverbot in der Gastronomie. Ein Meilenstein in der Verordnung zum Rauchverbot. Eine Geschichte, die 1992 begonnen hat, wird 2018 beendet. Seit damals versuchten Politiker, das Rauchen in Lokalen zu untersagen. Teilweise mit Erfolg, teilweise mit großem Widerstand der Gastronomen. Mit viel Geld haben die Gastronomen ihre Räume umgebaut. In größeren Gaststätten sind abgetrennte Raucherbereiche erlaubt; Betriebe mit weniger als 50 Quadratmetern können das Rauchen überall gestatten. Damit ist in drei Jahren Schluss. Wer schon früher die gesetzliche Regelung umsetzt, bekommt vom Staat Prämien.
Laut einer Umfrage vom Jahr 2012 der Marktforschung Spectra rauchen 38 Prozent der Männer und 27 Prozent der Frauen. Erschreckender die Zahl der Jugendlichen: 40 Prozent der 15 bis 29-Jährigen greifen zum Glimmstängel.
Nun mag das totale Rauchverbot für manche Gastronomen eine Mehrbelastung darstellen - vor allem finanziell. Aufwendig umgebaute Räumlichkeiten sollten noch einmal umgebaut werden und die Angst steht im Raum, dass zahlfreudige Raucher den Gasthäusern fern bleiben.
Nimmt man aber das totale Rauchverbot zum Anlass die aufkommende Volkskrankheit unter die Lupe zu nehmen, dann kann man dem Ganzen auch wieder etwas Positives abgewinnen. Die Rede ist von COPD. Diese Krankheit ist langsam, schleichend und tödlich. Chronic Obstructive Pulmonary Disease, kurz COPD ist die Bezeichnung für eine nicht heilbare Lungenkrankheit. COPD entwickelt sich lange Zeit unbemerkt im Verborgenen. Dabei nimmt die Funktion der Lunge stetig ab. Die Krankheit wird bei den meisten Betroffenen erst diagnostiziert, wenn schon ein großer Teil des Organes betroffen ist. Rauchen wird als Hauptursache der Krankheit von den Medizinern gesehen. Neben dem Rauchen ist es unter anderem die akute Luftver­schmutzung. COPD wird laut Prognose der Weltgesun­dheitsor­ganisation (WHO) auf der Liste der häufigsten Todesursachen weltweit auf Platz drei steigen. Bisher, so schätzen Experten, leiden rund 600 Millionen Menschen weltweit an COPD. Die Krankheit entwickelt sich bei den Männern nach durch­schnittlich 30 Jahren bei einer Schachtel pro Tag. Bei den Frauen schon nach 20 Jahren. Frühe Symptome sind das bekanntlich „morgendliche Abhusten“, das die meisten Betroffenen gar nicht oder nicht mehr ernst nehmen. Dabei könnte eine frühe COPD-Diagnose und die anschließende Therapie den Verlauf der Erkrankung aufhalten, manchmal sogar stoppen und damit das Risiko an COPD zu sterben, senken. Durch das ständige „Abhusten“ wird der Körper immens belastet. Kurzatmigkeit entsteht, dadurch eine Einschränkung der körperlichen Belastbarkeit und verbunden damit können sogar Depressionen auftreten. Ein Teufelskreis.
Nun wird so mancher Raucher sagen, dass ihn das alles nicht betrifft, denn eine Schachtel am Tag wird nicht erreicht, somit ist man fein raus aus der COPD Geschichte. Nicht ganz. Es ist wie immer die Summe der Einzelteile, die betrachtet werden muss. Eigene körperliche Fitness, Umweltbelas­tungen und ungesunde Ernährung. All das können Mitfaktoren sein.
Es wird sicherlich wieder Grauzonen geben, wo sich die Raucher wiederfinden und Gelegenheiten zum Rauchen gibt es in Österreich immer noch genügend. Beste Beispiele sind all die Jugendlichen, die frühmorgens vor der Schule ihr erstes oder zweites Frühstück in Form eines Glimmstängels konsumieren.
Für alle die ab 2018 in ein rauchfreies Lokal gehen, liegen mehrere Vorteile auf der Hand: Man ist kein passiver Mitraucher mehr. Die Augen brennen am nächsten Morgen nicht mehr. Die Kleidung muss nicht tagelang gelüftet oder gewaschen werden und das Essen schmeckt wieder so, wie es der Koch eigentlich geplant hat. Mahlzeit!
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