Leitartikel der Woche

Sanfter geht’s kaum noch
Andreas Feiertag
andreas.feiertag@rzg.at
Umweltschutz, Gesundheitsförderung und Energiesparen in einem: Die Vorarlberge­rinnen und Vorarlberger zeigen laut den jüngsten Daten des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) den anderen Bundesländern in Sachen sanfte Mobilität, wie es funktionieren kann. Die aktuelle Analyse zeigt, dass in Vorarlberg der Schulweg am umweltf­reund­lichsten zurückgelegt wird. Erfreulich: Auch die Hälfte der Einkäufe wird umweltf­reundlich zu Fuß, per Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erledigt. Damit werden die Qualität des Lebensraums in diesem Bundesland nachhaltig unterstützt und die Lebenserwartung auf hohem Niveau gehalten. Vorbildlicher geht es kaum noch.

Die Vorarlberge­rinnen und Vorarlberger sind generell sehr mobil: An einem Werktag werden rund zwölf Millionen Kilometer zurückgelegt – das entspricht etwa 300 Mal dem Weg um die Erde! Das Auto verliert dabei immer mehr an Bedeutung, der klimaf­reund­liche Verbund aus Gehen, Radfahren und Öffentlichem Verkehr wird wichtiger. Während in anderen Bundesländern nur in Städten ein Mobilitätswandel erkennbar ist, gibt es diesen in Vorarlberg im gesamten Gebiet. Der Anteil des Autos an der Alltagsmobilität ist von 56 Prozent im Jahr 2003 auf 52 Prozent im Jahr 2013 gesunken. Die Mobilitätserhebung des Landes Vorarlberg zeigt, dass die Vorarlberger Bevölkerung insgesamt 48 Prozent ihrer Alltagswege umweltf­reundlich zurücklegen.

Diese Entwicklung ist auch ganz im Sinne der Mobilitätsstrategie des Landes Vorarlberg, deren Ziel es ist, den Anteil von öffentlichem Personenverkehr und Fahrrad am gesamten Verkehr­sauf­kommen zu steigern: Durch die Priorisierung des Radfahrens als Alternative zum Auto soll der Radfahreranteil bis zum Jahr 2020 von 15 auf 20 Prozent ansteigen. Da 47 Prozent der werktäglichen Pkw-Wege kürzer als fünf Kilometer sind, bestehen gute Chancen, dieses ehrgeizige Ziel auch tatsächlich zu erreichen.
Der konsequente Ausbau des Öffentlichen Verkehrs ist auch ein maßgeblicher Beitrag auf dem Weg zur Energieautonomie Vorarlbergs. Im Jahr 2013 wurden 50.600 Jahreskarten verkauft. Der Trend geht zum 365-Euro-Ticket. Über 15.000 Vorarlberge­rinnen und Vorarlberger haben sich im ersten Halbjahr 2014 für dieses in Österreich einzigartige Ticket entschieden.

Die aktuelle Analyse zeigt, dass am umweltf­reund­lichsten der Weg zur Schule und Ausbildung zurückgelegt wird: 83 Prozent der Wege werden zu Fuß, mit dem Rad oder mit Öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt. Mit 40 Prozent ist auch der Anteil der bewegungsak­tiven Mobilität (Gehen und Radfahren) bei den Schulwegen sehr hoch, was neben dem Umwelteffekt auch einen gesun­dheit­lichen Nutzen darstellt.

Ihre Freizeitziele erreichen die Vorarlberge­rinnen und Vorarlberger zu 55 Prozent autofrei. Und die Einkaufswege weisen die drittbeste Mobilitätsbilanz auf: 51 Prozent der Einkäufe erledigen die Vorarlberge­rinnen und Vorarlberger umweltf­reundlich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Öffis, im Jahr 2008 waren es nur 49 Prozent. Die Einkaufswege weisen den höchsten Anteil an bewegungsak­tiver Mobilität auf: Dass 44 Prozent der Einkäufe zu Fuß oder mit dem Rad erledigt werden, ist auch ein Zeichen einer guten Nahversorgung im Land.

Aufholbedarf besteht noch bei den Wegen zur Arbeit sowie bei den Dienstwegen. Lediglich 38 Prozent der Wege zur Arbeit werden mit Öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt, bei den Dienstwegen und geschäftlichen Erledigungen sind es überhaupt nur 19 Prozent. Doch auch dies wird sich – hoffentlich – ändern.
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