Urlaubsgrüße ...

Wir wünschen Ihnen bis dahin eine schöne Zeit und freuen uns auf ein Wiedersehen!

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Leitartikel der Woche

Der Großelter 2.2 – ein geschlechtsneutraler MenschIn
Andreas Feiertag
andreas.feiertag@rzg.at
Österreich hat sich per „Bundesgesetz über die Bundeshymne“ emanzipiert, ist seit 2012 endlich „Heimat großer Töchter und Söhne“, und langsam schleicht sich der sprachliche Gender­mainstream auch in andere offizielle und weniger offizielle Textsorten ein. Doch zwei Seelen wohnen, ach! noch immer in der SchreiberInnen Brust: Die eine hält in derber Liebeslust sich an Lesbarkeit und Ästhetik; die andre hebt gewaltsam sich vom maskulinen Zeilendunst zu den Gefilden hehrer Political Correctness empor. Doch jetzt schlägt, dem Teufel gleich, eine Faust zu: Laut jüngstem Vorschlag von Austrian Standards, dem österreichischen Normungsin­stitut, soll die geschlechterge­rechte Sprache der Vergangenheit anheimfallen.

Der Entwurf für die Richtlinien zur Textgestaltung gibt „einge­schlecht­lichen Formulierungen den Vorzug“, damit die Verständlichkeit nicht leide. Das Binnen-I „ist durch keine Rechtsch­reib­regelung gerechtfertigt und daher zu vermeiden.“ Auch ein dem akademischen Titel nachgestelltes „a“ hinter „Mag.“ oder ein „in“ nach „Dr.“ sei regelwidrig, da durch einen Punkt ja das Ende einer Abkürzung signalisiert werde, die Abkürzung „Mag.“ stehe damit sowohl für Magister als auch für Magistra. „Den Lesern einen Buchstabensalat zu präsentieren mit der Aufgabe­nstellung, sich selbst die passenden Teile zusammen­zusuchen, ist weder für die weibliche noch für die männliche Seite ein Zeichen von Wertschätzung. Schreibweisen wie ,Liebe/r Besucher/in ...’ sind daher nicht als beide Geschlechter gleich achtend einzustufen, sondern beide Seiten in gleicher Weise missachtend“, heißt es dort.

Schon dräut ein Sprachensturm, zumal jetzt ein offener Brief von 800 namhaften Sprachexperten die Normungsempfeh­lungen unterstützt: „Ein minimaler Prozentsatz kämpferischer Sprach­feminis­tinnen darf nicht länger der nahezu 90-prozentigen Mehrheit der Staatsbürger ihren Willen aufzwingen“, steht in dem Schreiben. Was für diese das Tüpfelchen auf dem Binnen-I ist, bringt für jene das Tintenfass zum Überlaufen – für Frauen­minis­terin Gabriele Heinisch-Hosek zum Beispiel, die konstatiert: „Sprache schafft Wirklichkeit. Weibliche Formen unerwähnt zu lassen und Frauen damit auszublenden, wäre ein völlig falsches Zeichen.“

Nun – derlei Wirklichkeiten sind schon gesprochen: Der Europarat hat Richtlinien zur Bekämpfung sexueller Stereotypen verfasst. Dort liest frau/man, Frauen würden in Medien meist als Mütter oder Sexualobjekte dargestellt. Auch wenn man nicht gleich weiß, was von beidem schlimmer ist, so sollten unbedingt mehr Männer in ihren Aufgaben als Mütter zur Darstellung kommen. Allein – das Wort Mutter ist schon dermaßen sexistisch kontaminiert, dass es eigentlich abgeschafft gehört. Vater auch. Das empfiehlt sogar die eidgenössische Bundeskanzlei in ihrem Leitfaden zur geschlechterge­rechten Formulierung. Also Eltern beziehungsweise Elternteil. Aber weil Letzteres die Individualität schwächt, doch lieber den Singular Elter. Damit hat ein sprachlich genuin geschlechtsindif­ferentes Kind Elter 1 und Elter 2, in modernen Patch­work­familien vielleicht noch Elter 3 und 4. Hinzu kommt Großelter 1.1 und 1.2 beziehungsweise 2.1. und 2.2.

Ob Frauen­minis­terin Gabriele Heinisch-Hosek diese sprachliche Wirklichkeit akzeptiert, bleibt abzuwarten. Jetzt steht erst einmal der/die/das Sommerurlaub an. Die Regional­zeitungen erscheinen wieder in der Kalenderwoche 34. Bleiben Sie bis dahin geschlechts­neutral und uns gewogen.
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