Leitartikel der Woche

Danke, dann lieber nichts...
Christian Marold
christian.marold@rzg.at
Für viele steht die wohlverdiente Urlaubszeit an. Endlich zwei bis drei Woche abschalten und an nichts anderes denken, als an sich selbst und manchmal auch an die- oder denjenigen, der mit dabei ist. Am besten noch in ein sogenanntes Offline-Hotel, wo es kein Internet gibt, kein W-Lan und die Handyverbindung so schlecht ist, dass man auf Grund der Fremdnetze sowieso das Handy gleich ausgeschaltet lässt. Herrlich!
Wäre da nicht das Problem mit dem Essen. Es gibt reichlich viel, aber eben nie genau das, was man selbst gerne hätte. Für Menschen, die sehr wenig vertragen, wird ein reichhaltiges Buffet ohne genaue Inhaltsangaben zur reinen Qual. Diese Urlaubsgäste haben es in der Tat sehr schwer, denn oft sind die Länder, in denen man eben gerne Urlaub macht noch nicht auf die neusten „Food-Trends“ aufgesprungen oder sind schlichtweg zu wenig sensibilisiert. Hier ist zu sagen, dass eine Unverständlichkeit seitens anderer Gäste oder gar dem Personal absolut nicht angebracht ist.
Schwieriger wird es für Menschen, die nicht krank sind, aber sich für das eine oder andere entschieden haben. Entweder jeden Tag ihre Fleischportion auf dem Teller oder vegetarisch beziehungsweise ganz vegan. Zum Fleischkonsum ist Folgendes zu sagen: Längst sind wir in einer Gesellschaft gelandet, die sich nicht gesund von Fleisch ernährt und auf Grund des absoluten Fehlverhaltens von Konsument und Industrie, die Produktion und Herstellung von Fleisch in keinem angemessenen Verhältnis mehr steht. In dieser Hinsicht muss sich unbedingt etwas ändern, aber das heißt nicht gleich kompletter Verzicht auf Fleischprodukte. Das ist ein Teil der freien Entscheidung von uns Menschen. Veganer sind ja von der Philosophie her das absolute Gegenteil von Fleischessern. Veganer haben ja in ihrem Weltbild das freie Tier im Vordergrund und somit darf ein richtiger Veganer eigentlich keine Tierprodukte zu sich nehmen, denn dies würde sich gegen den freien Willen der Tiere richten. Die Rede ist nicht nur von den klassischen Milchprodukten, sondern wirklich alles, was von Tieren produziert wird. Honig? Eigentlich ja.
Vegetarier zu sein oder vegan zu leben ist auch ein Teil der freien Entscheidung und unseres freien Willens. Man sollte aber immer, wenn man etwas mit Überzeugung macht, voll dahinter stehen. Halbe Sachen gibt es in unserer Gesellschaft genug: Angefangen vom religiösen Glauben bis hin zu kulturellen Traditionen. In einer kürzlich geführten Diskussion wurde von einem Spitzenkoch, der Fleisch im oberen Preissegment anbietet, die Frage an eine Veganerin gestellt, ob sie denn Haustiere hätte. Dies wurde bejaht (Hund und Katze) und ebenfalls auch die Frage bejaht, ob diese Tiere Fleisch zu essen bekommen würden. Wurden diese Haustiere befragt, ob sie gegen ihren Willen als Haustiere gehalten werden und warum werden sie in einem veganen Haushalt mit Fleisch gefüttert? Sicherlich zwei Fragen, die solch eine Diskussion ad absurdum führen, aber der Ansatz ist nicht uninteressant.
Weitaus problematischer ist die Tatsache, dass die Industrie sich derzeit genauso auf die vegetarische/vegane Lebensmit­telp­roduktion stürzt, wie es in der Fleischp­roduktion schon lang der Fall ist. Für all die alternativen Sojaprodukte werden Flächen gerodet, umgewidmet und am Ende stehen vertrocknete und dürre Flächen in der Landschaft, die für nichts mehr gebraucht werden können. Der Verzicht auf tierische Produkte verbessert nichts an den Verhältnissen in der Lebensmit­telin­dustrie.
Selber kochen, selber aussuchen und keine fertigen Produkte kaufen. Das könnten erste Schritte sein. Die Lebensmit­telin­dustrie hat uns viel kaputt gemacht und den Appetit regelrecht verdorben.
Am Ende sieht man im Restaurant in die Speisekarte und kommt zur Erkenntnis: „Danke, dann lieber nichts...“
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