Leitartikel der Woche

Maschinelle Osterhasen und WM-Fernseher
Andreas Feiertag
andreas.feiertag@rzg.at
So knapp vor Ostern herrscht im Handel Hochbetrieb. Denn der Osterhase legt sich voll ins Zeug, dem Christkind in Sachen Konsum den Rang abzulaufen. War es früher mit ein paar bunten Eiern im Osternest getan, wird inzwischen längst Großes geschenkt.

Laut einer aktuellen Studie von Marketagent.com geben die Österreic­herinnen und Österreicher heuer im Schnitt 100 Euro für Ostergeschenke aus. Fast jeder Zehnte (9 Prozent) will mehr als 200 Euro aufwenden. Und wie zu Weihnachten werden immer mehr auch größere Wünsche erfüllt – etwa der neue Fernseher für die bevorstehende Fußball-WM. Das Ostergeschäft ist nach dem Weihnachtsgeschäft bereits das zweitstärkste saisonale Shoppinge­reignis des Jahres. Dabei ist besonders eine Tatsache beeindruckend: dass trotz steigender Arbeits­losigkeit, trotz vermehrter Armut und schlechten Wirtschaftsaus­sichten von Jahr zu Jahr mehr Millionen in Ostergeschenke investiert werden. Diesem Land und seinen Bewohnern kann es also nicht schlecht gehen, die allerorts zu hörenden Klagen können also nur ein Jammern auf hohem Niveau sein.

Dass der Osterhase ein echter Umsatzbringer ist, bestätigen neben dem Fachhandel auch große Super­markt­ketten. Neben Lebensmitteln werden vor allem Spielsachen und ganz stark Fahrräder gekauft. Auf jeden Fall mit im Osternest liegen Süßigkeiten, die laut der Umfrage mit 82,9 Prozent die Hitliste der Ostergeschenke anführen. Am zweithäufigsten werden Spielwaren verschenkt (26,7 Prozent). Auch der Gutscheinboom greift auf Ostern über (11,4 Prozent). Eingekauft wird für Ostern besonders in Einkaufszentren (60,5 Prozent). Die Hälfte der Österreicher beschenkt vorwiegend Kinder, an zweiter Stelle folgt der Partner (40,8 Prozent). Fast ein Drittel (27,2 Prozent) plant ein Ostergeschenk für die Eltern. Aber auch an der Wetterfront macht Ostern Weihnachten heuer kräftig Konkurrenz: Bei uns soll es nämlich kälter werden als am Heiligen Abend.

Auch die gute alte Tradition, gefärbte Hühnereier ins Osternest zu legen, kommt heute ohne Kommer­zialisierung nicht mehr aus. Von den rund 70 Millionen Eiern, die in Österreich rund um Ostern verdrückt werden, kommen bereits 50 Millionen fertig gekocht und fertig gefärbt ins Supermarktregal – weil die Konsumenten immer weniger Zeit und Lust haben, die Eier selber zu färben. Die industriellen Eierfärbemaschinen zaubern in 20 Minuten aus dem rohen Ei ein gekochtes, vierfach mit Lebensmittel­farbe besprühtes, versiegeltes Osterei. Pro Stunde legen diese maschinellen Osterhasen bis zu 10.000 bunte Eier. Übrigens: Weil bei bunten Eiern der Herkunftsstempel nicht mehr sichtbar ist, hat sich laut Bauernkammer der heimische Handel heuer dazu entschlossen, nur noch Österreich-Ostereier anzubieten, damit keine ausländischen Käfigeier untergejubelt werden. Denn Käfighaltung ist verboten, nur Boden- und Freilandhaltung sind erlaubt.

Legehennen könnten durchaus auch acht Jahre alt werden. Jedoch sieht die Realität eines Legehuhns nicht dermaßen rosig aus: Nach etwa einem Jahr kommen die Hühner in eine natürliche Mauser und dadurch ergibt sich eine Legepause. Die Tiere sind damit nicht mehr rentabel und werden dann in Boxen gepfercht und zum Schlachter transportiert.

Im Ländle werden rund 80.000 Hühner gehalten, die jährlich etwa 24 Millionen Eier legen. Damit können aus Vorarlberger Produktion rund 35 Prozent des heimischen Bedarfs gedeckt werden. Der Rest der Eier wird importiert. In diesem Sinne: frohe Ostern!
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