Auf einem Schwarzweißfoto lächelt eine Frau in einem weißen Hemd.

Silvia Böhler

Die neue Energiekrise


An manchen Zapfsäulen kostet der Diesel bereits über 2,20 Euro je Liter. Der Iran-Krieg treibt die Spritpreise in die Höhe und sorgt nicht nur für massives Kopfschütteln und leere Geldbörsen, sondern auch für ein Déjà-vu. Vier Jahre nach dem Beginn des Ukrainekriegs stehen wir mit mehr als einem Bein erneut in
einer Energiekrise.

Nachdem die Bundesregierung die Fehler der vergangenen Jahre nicht wiederholen will, hat sie nun erste Maßnahmen gegen die Preissteigerung gesetzt. Die Tankstellen dürfen mittlerweile nicht mehr täglich die Preise ändern, sondern nur mehr dreimal pro Woche – und zwar am Montag, Mittwoch und Freitag. Das soll mehr Planungssicherheit für die Verbraucher und Unternehmen bieten, führt in der Realität aber dazu, dass die Tankstellen die Preise schon am Montag hoch ansetzen.
Längst wird auch wieder darüber spekuliert, ob die Mineralölkonzerne einmal mehr Gewinner einer solchen Krise sind und durch außerordentliche Gewinne – sogenannte Übergewinne – profitieren. Gleiches gilt für den Staat, der, je höher der Spritpreis, desto mehr Steuern kassiert und damit aktuell ebenfalls einen „schönen Patzen“ einnimmt. Weil sich keiner an der Krise bereichern soll, will die Bundesregierung mit 1. April eine Spritpreisbremse einführen. Zum einen sollen die Steuern gesenkt zum anderen eine Begrenzung der Gewinnmargen von Ölkonzernen, Raffinerien und Tankstellen dazu führen, dass die Preise um 10 Cent pro Liter sinken. Das ist definitiv wenig und nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Was also tun? Die Internationale Energieagentur (IEA) ruft bereits eindringlich zum Energiesparen auf. Tempolimits, Homeoffice, der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel und generelle Sparmaßnahmen in den Haushalten werden als konkrete Maßnahmen genannt. Die heimische Politik will davon aber noch nichts wissen. Vielleicht auch, weil solche Ratschläge manchen Verantwortlichen noch gut in Erinnerung sind. Infolge des Ukrainekriegs 2022, als die Öl- und Gaspreise in die Höhe schossen, riet nämlich die damalige Ministerin Leonore Gewessler dazu, die Heizung zu drosseln und beim Kochen den Deckel auf den Topf zu geben. Sie erntete dafür mehrfach Kritik und Hohn.
Damals wie heute sind solche Spartipps unpopulär und meiner Meinung nach eher ein Eingeständnis der politischen Hilflosigkeit. Vielleicht sind sie aber auch die einzige Möglichkeit, wie jeder einzelne von uns mit den steigenden Preisen umgehen kann. Denn ein Ende der neuen Energiekrise scheint nicht in Sicht.