Hurra, der Mai ist da. Der Sommer auch schon nah. Alles blüht und grünt. Helle Kleidung, kurze Röcke und Hosen kleiden uns gut. Motorrad und Fahrrad in großer Zahl bevölkern die Straßen auf Berg und Land - leider auch die Krankenhäuser. Gewitter und Regenbogen bestimmen den Horizont. Die Nasen rinnen vom gelben Blütenstaub. Bald ist alles wieder gut. Der Sommer kommt bestimmt geschwind. Hitze bestimmt den Sommerwind. Berge werden erobert, Wasser kühlt erhitzte Gemüter in Freud und Leid. Der Durst plagt Mensch, Tier, Felder und Auen. Naturkatastrophen können wir nicht verhindern, doch unsere Gesundheit können wir mit Vorsicht, Rücksicht und Nachsicht bestimmen und erhalten. Genießt jede Jahreszeit, es ist für jeden etwas dabei.
31.5. Weltnichtrauchertag Das Motto des heurigen Weltnichtrauchertages lautet: „Die Taktiken der Industrie für Tabak- und Nikotinprodukte aufdecken“. Wenn die Werbung für Tabak- und Nikotinprodukte verboten ist, muss das Produkt selbst so gestylt sein, dass es möglichst von vielen Kindern und Jugendlichen begehrenswert erscheint und angenommen wird. Elegantes Design, attraktive Farben und verlockende Aromen werden strategisch eingesetzt, um eine junge Zielgruppe anzusprechen. Ganz besonders geschieht dies über digitale Medien. Die Tabak- und Nikotindrogenindustrie hat heute keine Existenzberechtigung mehr. Ihr Fortbestehen ist unvereinbar mit der Aufgabe der öffentlichen Gesundheit. Seit Jahren fordern wir ein Rauchverbot in der Außengastronomie, in Schwimmbädern, Parks, Zoos und Haltestellen des öffentlichen Verkehrs. Eine empfindliche Preiserhöhung von Nikotin- und Tabakprodukten ist das wirksamste Mittel, den Konsum zu verringern. Wo bleibt der Mut zu politischem Handeln?
Widerstand? Nur im Ausland! Seit 46 Jahren wird in Stockholm der Alternative Nobelpreis für herausragendes Engagement zu den dringendsten Herausforderungen unserer Zeit verliehen. U. a. in den Bereichen Umweltschutz, Menschenrechte, Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit, Frieden und Abrüstung, Aufklärung und Kampf gegen Korruption… Zwischen 2006 und 2016 kamen jährlich 3 PreisträgerInnen im Rahmen der „Projekte der Hoffnung“ nach Bregenz. Sie besuchten Schulen, waren in öffentlichen Veranstaltungen zu hören, manchmal waren auch PolitikerInnen zugegen. Das Land Vorarlberg unterstützte diese Initiative mit einem kleinen Beitrag, jährlich ca. zwischen 4.000 und 5.000 Euro. Von Landesseite war dann einmal zu hören, wie schön es wäre, wenn vielleicht auch eine Vorarlbergerin/ein Vorarlberger diesen Preis bekäme. 2010 war das dann der Fall. Bischof Kräutler wurde für seinen Widerstand gegen das zerstörerische Staudamm-Projekt Belo Monte in seinem Wirkungsland Brasilien ausgezeichnet. Wie groß war die Freude, wie stolz war man. Doch Brasilien ist weit weg. Sobald es Widerstand im eigenen Land gibt, aktuell u.a. bei der Schließung der Geburtenstation in Bludenz, bei der Tunnelspinne oder der Müllverbrennungsanlage der Rondo, ist das nicht mehr toll. Mehr als das: KritikerInnen werden als Verhinderer hingestellt, LandespolitikerInnen mutieren zu Wirtschaftslobbyisten oder signalisieren von vornherein, dass die Meinung von BürgerInnen (Volksbegehren Geburtenstation) irrelevant ist. Eine demokratiepolitisch äußerst bedenkliche Entwicklung.
Der Rondo-Fall Eine Minizusammenfassung Das ursprüngliche Ziel der Rondo-Verantwortlichen war ein vereinfachtes Verfahren nach dem Abfallwirtschaftsgesetz, bei dem die Müllverbrennungsanlage knapp unter den Schwellenwerten für eine Umweltverträglichkeits-Pflicht gelegen hätte. Im April 2024 kam vom Bundesverwaltungsgericht aufgrund von Beschwerden die Aufforderung an das Land Vorarlberg, dieses Projekt einer UVP zu unterziehen. Rondo kam dieser Aufforderung zuvor und betont seitdem immer wieder, „freiwillig“ die UVP beantragt zu haben. Die Verantwortlichen sagten in einem VN-Interview vom 15.04.2026: „Wir verbrennen keine schwarzen und gelben Säcke“. Wahr ist, dass sie „nur“ deren Inhalte verbrennen, neben vielen anderen Stoffen, die Mensch und Natur schädigen. Zumindest ist das in ihrem Projektantrag zu lesen. Nachdem sich der Frastanzer Gemeinderat einstimmig gegen das inzwischen dreimal so große Projekt ausgesprochen hat, erklärten die Verantwortlichen nach kurzer Sprachlosigkeit, den Dialog fortsetzen zu wollen. Nur: es gab bisher keinen Dialog. Zumindest nicht mit der betroffenen Bevölkerung. Auf der Rondo Website finden sich u.a. Aussagen wie soziale Verantwortung, Naturschutz, Integrität, Fairness und Transparenz. Wenn die Geschäftsführung ihre eigenen Worte ernst nähme, würde sie gemeinsam mit den Menschen in der Region nach Wegen suchen, mit denen alle Beteiligten gut leben können.
Müllverbrennungsanlage Rondo Frastanz Die Argumentation 7 Prozent ist die einzige Argumentation und keine öffentliche Forderung. Was sind die 93 Prozent? Eigener Abfall zur Verbrennung, 10 Prozent der 122.000 Tonnen. Die restliche Menge, 20-30 Prozent von Vorarlberg, das Übrige von Österreich bis Italien. Für die Papierfabrik Rondo ist dieses Werk nicht notwendig und auch nicht für die Öffentlichkeit. Die Firma Rondo kann ohne dieses Werk weiter produzieren, ohne Verlust von Arbeitskräften. Durch diese Anlage würde Frastanz, das sich immer weiterentwickelt, von einer positiven Gemeinde in eine negative degradiert. Der Standort dieser Mammut-Anlage wäre in einem Gebiet vorgesehen, das dafür die Flächenwidmung nicht zulässt. Der Versuch einiger Gremien und auch der Landesrat Titler, mit Einschaltung von Behörden und des Landes, kann dies nicht ändern. In erster Linie ist die Gemeindevertretung der Marktgemeinde Frastanz zuständig. Diese hat einstimmig negativ entschieden.
Frastanzer Gemeinderat entschied einstimmig Bereits im Vorfeld der UVP-Prüfung, das geplante Wärmekopplungskraftwerk mit Müllverbrennung der Firma Rondo in Frastanz betreffend, kam es mit der einstimmigen Ablehnung dieses Projektes durch die Frastanzer Gemeindevertretung (16.04.2026) zu einer diskontinuierlichen Veränderung der Gesamtsituation. Von einem Moment auf den anderen wurden bestehende Erwartungshaltungen erschüttert. Man war sprachlos. Jetzt wird in einem in Vorarlberg beliebten „Nochejass-Verfahren“ die Situation analysiert und einige Vorarlberger Köpfe schließen daraus messerscharf, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Wenn sich nicht sechs ÖVP-Gemeindevertreter entschuldigen hätten lassen, wäre die ablehnende Haltung der Gemeindevertretung nicht einstimmig erfolgt. Ein Vorarlberger Spruch versucht das so auszudrücken: „Wenn der Hund net g´schissa hätt, hätt er den Has verwüscht“. So wird aus einem einstimmigen Beschluss ein medial aufbereiteter „doch nicht ganz einstimmiger Beschluss“. Es ist also möglich, einen einstimmigen Beschluss zu einem „doch nicht ganz eindeutigen Beschluss“ medial zu verbiegen. Ich war selbst bei der öffentlichen Gemeindevertretungssitzung anwesend und konnte mit eigenen Augen (Bürgermeister: „Bitte um Handzeichen – einstimmig – Gegenprobe – keine Gegenstimmen) und Ohren wahrnehmen, dass der Beschluss einstimmig über alle Fraktionen hinweg (schwarz – grün – blau) gefasst wurde. Jetzt bin ich sprachlos. Über das Verdrehen und Zurechtbiegen von eindeutigen Tatsachen. Nur weil sie nicht ins Konzept passen.
Zur Kolumne „Ein jeder schau vor seiner Tür ...“ Sehr geehrter Herr Beib, Ihre Kolumne „Ein jeder schau vor seiner Tür …“ vom 16. April 2026 kann nicht unbeantwortet bleiben. Wogegen sich der Widerstand in der gesamten Region richtet, darüber informiert unter anderem der Verein SOS Walgau auf deren Website mit interessanten Videos. Die Müllreporter mit ihren Faktenchecks nörgeln nicht, sie machen aufmerksam. Auch vom Verein Gesunder Lebensraum Göfis gab es eine sehr interessante Informationsveranstaltung zur Müllverbrennungsanlage. Um auf Ihre Kolumne zurückzukommen: In den Einwendungen der Gemeinde Göfis steht im Punkt Gesundheitsgefährdung geschrieben, dass sich die CO2-Emissionen verdreifachen würden. Sie werden nicht kleiner, wie Sie angemerkt haben! Es geht nicht nur darum, fossile Brennstoffe zu ersetzen, es dürfen auch keine neuen Gefahrenquellen entstehen. In der Arte Mediathek gibt es die Dokumentation „Giftmüll: Grundwasser in Gefahr“. Trotz positivem Gutachten ist nun das Trinkwasser von sechs Millionen Menschen in und um das Elsass gefährdet! Ich ziehe meinen imaginären Hut vor der Frastanzer Gemeindevertretung und vor Bürgermeister Walter Gohm, die das Rondo-Projekt nun neu bewertet haben. Auch in der Stellungnahme der „Bürgerinitiative der besorgten BürgerInnen“ ist belegt, dass das Vorhaben der Firma Rondo nicht umweltverträglich und nicht genehmigungsfähig ist.
Herr Tittler kritisiert die Marktgemeinde Frastanz Die Gemeindevertretung der Marktgemeinde Frastanz hat das Projekt Reststoffkraftwerk (=Müllverbrennungsanlage) in der letzten Sitzung abgelehnt. Laut VN kritisiert Landesrat Tittler diese Entscheidung. Als Unternehmer verstehe ich, dass die Firma Rondo über diese Entscheidung enttäuscht ist. Auch, dass sie von der Wirtschaftskammer als Interessensvertretung unterstützt wird. Die Gemeindevertreter haben zwischen den Interessen der Firma Rondo und den Interessen der Bevölkerung abgewogen und trafen einstimmig diese Entscheidung. Ich erwarte mir von Ihnen als gewählter Landespolitiker, dass auch Sie neben Ihrer Unternehmersicht auch die Bedenken der Bevölkerung wahrnehmen, die wohlüberlegte Entscheidung der Gemeindevertretung und des Bürgermeisters respektieren und wertschätzen und dies in ihren Kommentaren auch zum Ausdruck bringen. Sie sind in Ihrer Funktion als Wirtschaftslandesrat auch Vertreter der Bevölkerung.
Energiezentrale der Firma Rondo Die im Zusammenhang mit der geplanten Energiezentrale in Frastanz vom IV-Präsidenten verwendete Einordnung als „Beitrag zur Dekarbonisierung“ wirft aus meiner Sicht grundlegende Fragen auf. Wer Kunststoffabfälle thermisch verwertet, setzt CO2 aus fossilen Quellen frei. Daran ändert auch eine effiziente Energiegewinnung nichts. Laut UVP-Unterlagen ist sogar von einem bis zu dreifach höheren CO2-Ausstoß auszugehen, wobei die biogenen Abfälle schon herausgerechnet wurden. Unter diesen Umständen wirkt der Begriff Dekarbonisierung irreführend. Es steht außer Frage, dass Rondo mit dem Projekt seinen Gasverbrauch reduzieren kann. Im Hinblick auf die Erreichung der Klimaziele gibt es jedoch bessere Konzepte. Die möglichen Alternativen - sowohl für die Entsorgung von Müll als auch zur Deckung des Wärmebedarfs der Firma Rondo - müssen im Rahmen des UVP-Verfahrens umfassend und ergebnisoffen untersucht und bewertet werden. Die kritische Haltung der Marktgemeinde Frastanz ist auch vor diesem Hintergrund nachvollziehbar. Die grundsätzliche Frage, ob eine Müllverbrennungsanlage in private Hände gehört, bleibt berechtigt; es geht nämlich um langfristige Verantwortung und nicht nur um kurzfristige wirtschaftliche Interessen. Die Energiewende braucht klare Begriffe und wirksame Maßnahmen zur Emissionsreduktion. Alles andere untergräbt die Glaubwürdigkeit der Klimapolitik.








