Fortschritte bei Chancengleichheit
Gleichstellungsbericht 2026 zeigt Erfolge, aber auch Handlungsbedarf
Foto: VLK/Serra
Der neue Gleichstellungsbericht Vorarlberg 2026 zeigt ein differenziertes Bild. In den Bereichen Bildung und politischer Teilhabe sind Fortschritte zu verzeichnen. Gleichzeitig bestehen in verschiedenen Bereichen weiterhin große Unterschiede.
Der Gleichstellungsbericht wird im Auftrag des Landes Vorarlberg, der Arbeiterkammer Vorarlberg und des Österreichischen Gewerkschaftsbundes erstellt. Die aktuelle Ausgabe betrachtet Bildung, Erwerbsarbeit, unbezahlte Haus- und Sorgearbeit, die sozioökonomische Situation, politische Partizipation sowie geschlechtsbasierte Gewalt.
Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Teilzeitarbeit. Dafür wurden Frauen sowie Experten zu ihren Einschätzungen befragt. „Geschlechterungleichheiten sind immer noch in allen Lebensbereichen zu finden. Der Gleichstellungsbericht 2026 ist ein wichtiges Instrument, um die Gleichstellung zu messen und Handlungsfelder zu identifizieren“, sind sich Landesrätin Barbara Schöbi-Fink, Manuela Auer, Landesgeschäftsführerin des ÖGB Vorarlberg, und AK Vorarlberg Präsident Bernhard Heinzle einig.
Frauen arbeiten Teilzeit
82 Prozent der Frauen arbeiten in Teilzeit, bei den Männern sind es hingegen nur 6 Prozent. 15 Interviews mit Frauen in Teilzeitarbeit gaben Einblicke in die Beweggründe. Demnach ist die Teilzeitarbeit für Frauen häufig eng mit Betreuungspflichten und der Verteilung unbezahlter Haus- und Sorgearbeit verbunden. Frauen übernehmen immernoch häufiger die Hauptverantwortung für Kinder, Haushalt und die Pflege Angehöriger. Gleichzeitig werden vereinbarkeitsfreundliche Arbeitsbedingungen und eine bedarfsgerechte institutionelle Kinderbildung und -betreuung als wichtige Voraussetzungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf beschrieben.
Die Gespräche machen aber auch deutlich, dass Teilzeit nicht ausschließlich als Folge von Betreuungspflichten gesehen werden kann. Gesundheit, hohe Arbeitsbelastung, Freizeit und der Wunsch nach mehr Zeit für die Familie können ebenso eine Rolle spielen, sofern dies finanziell möglich ist. Gleichzeitig berichten Frauen von der besonderen Belastung in der Erwerbsarbeit, dort besteht Leistungsdruck, während die zusätzlich geleistete unbezahlte Arbeit vielfach wenig gesellschaftliche Anerkennung
erfährt.
Traditionelle Rollenbilder
Als wichtiges Handlungsfeld nennt der Bericht die kritische Auseinandersetzung mit traditionellen Rollenbildern und eine breite Sensibilisierung für Geschlechterstereotype. Auch eine AK Studie des Österreichischen Instituts für Familienforschung (ÖIF) zeigt für Vorarlberg eine konservativere Einstellung zur Erwerbstätigkeit von Müttern. Männer stehen ihr laut Studie noch kritischer gegenüber als Frauen selbst. AK Präsident Bernhard Heinzle: „Gleichstellung ist ein zentrales politisches Ziel, wie bereits in der Bundesverfassung beschrieben. Die vorherrschenden Rollenbilder, vor allem die der Männer sind das größte Hindernis dabei. Das kann nicht einfach als ‚Privatsache‘ beiseite gewischt werden. Das müssen wir bei all den Themen, wie dem höchsten Teilzeitanteil, dem höchsten Gender Pay Gap und gleichzeitig der geringsten Inanspruchnahme von ganztägiger früher Kinderbildung und -Betreuung in Österreich mitdenken. Das hängt zusammen.“
Pension Pay Gap
Wer ein Erwerbsleben lang weniger verdient, hat im Alter weniger. Der Pensionsunterschied zwischen Frauen und Männern beträgt in Vorarlberg 45 Prozent. Beim Arbeitslosengeld und der Notstandshilfe erhalten Frauen im Schnitt 18 Prozent weniger pro Tag. Besonders alleinlebende Frauen und Alleinerziehende sind verstärkt von Armut und Ausgrenzung bedroht.
Lohntransparenz
Manuela Auer, Landesgeschäftsführerin des ÖGB, führt aus: „Wer gleich qualifiziert ist, muss gleich verdienen. Das gelingt nur mit echter Lohntransparenz und verbindlichen Zielen für Führungspositionen. Ein Pensionsunterschied von 45 Prozent ist das Ergebnis eines ganzen Berufslebens mit Nachteilen, und genau dort müssen wir ansetzen.“
Wichtige Handlungsfelder
Der Gleichstellungsbericht zeigt sowohl die Fortschritte der vergangenen Jahre als auch jene Themen, die weiterhin Aufmerksamkeit benötigen. Für die weitere Entwicklung sind daher unterschiedliche Ebenen in den Blick zu nehmen: von gesetzlichen Rahmenbedingungen wie Entgelttransparenz und Diskriminierungsschutz bis hin zu einer breiten gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und Chancengleichheit. (pd)







