Auf einem Schwarzweißfoto lächelt eine Frau in einem weißen Hemd.

Silvia Böhler

Sexismus, ganz normal


Das Foto der ehemaligen SPÖ-Parteichefin Pamala Rendi Wagner als Puppe, bekleidet mit Reizwäsche und einem Sexspielzeug in der Hand im Polizei-Schießkeller von Kennelbach hat hohe Wellen geschlagen. Sind öffentlich bekannte Personen betroffen, ist das Entsetzen wie immer groß. Von der Landesregierung abwärts zeigt man sich über die sexistische Darstellung empört. Die Gemeinde Kennelbach entschuldigt sich für die unreflektierte Übernahme des Berichtes ins Gemeindeblatt und kündigt für die Zukunft eine sorgfältigere Prüfung an. Die Landespolizeidirektorin Uta Bachmann will eine dienstrechtliche Überprüfung und Maßnahmen zur Sensibilisierung von allen Polizistinnen und Polizisten.

Nur der verantwortliche, mittlerweile pensionierte Beamte der Polizei zeigt wenig Einsicht. Ein peinlich, rückwärtsgewandter Schießausbilder, der mit sexistischen Darstellungen versucht, seinesgleichen zum Lachen zu bringen. Und ich finde die, die lachen, sind keinen Deut besser. Wie in solchen Fällen aber üblich, will niemand vor Ort dabei gewesen sein. Die Kulisse im Schießkeller macht ein großes Problem sichtbar - eines, das schon immer da war und immer noch da ist. Der Respekt und die Achtung vor Frauen fehlen. Frauen werden zum Sexualobjekt degradiert – und das nicht nur bei der Polizei. Die Zeiten in denen Männer Macht demonstrieren, Bemerkungen unter der Gürtellinie machen, Frauen abwerten und demütigen sind noch lange nicht vorbei. Im Gegenteil: Seit dem Einzug der digitalen Medien sind die Hürden für Erniedrigungen noch geringer. Von einer Gleichberechtigung sind wir weit entfernt.

Dazu passt auch der Gleichstellungsbericht des Landes, der vergangene Woche präsentiert wurde und der den Vorarlbergern nach wie vor ein traditionelles, veraltetes Frauenbild bescheinigt. Kindererziehung und die damit einhergehende Teilzeitarbeit sind Frauensache. Frauen leisten mit bezahlter und unbezahlter Arbeit ein höheres Stundenpensum pro Tag als Männer, bekommen aber weniger Lohn – eine doppelte Geringschätzung. Selbst mit einer Vollzeitbeschäftigung verdienen Frauen rund 20 Prozent weniger als Männer, zudem sind sie weniger oft in Führungspositionen vertreten. Am Ende des Erwerbslebens müssen Frauen ein Pensions-Minus von 45 Prozent gegenüber Männern hinnehmen.

All das sind ebenfalls Formen von Sexismus und offenbaren ein frauenfeindliches Denken. Doch nur wenige empören sich. Alles ganz normal.