Mario Beib
Auch ein Armutszeugnis ist ein Zeugnis...
Österreich hält viel auf sich, auch im Bildungsbereich, vor allem im Schulwesen. Das macht auch Vorarlberg.
Und Feldkirch. Auf Volks- oder Mittelschule, die verschiedenen höher führenden Schulen und natürlich
auf das Gymnasium. Daran dachte vor etwa 18 Monaten auch ein Feldkircher Mitbürger aus Deutschland und
wollte seinen damals 12-jährigen Sohn nicht nur wegen der geografischen Nähe in die schulische Obhut eines
Feldkircher Gymnasiums übergeben.
„Da wird er wohl gut unterrichtet werden“, dachte er sich. Pustekuchen. Denn beim dortigen Schulleiter biss er auf Granit.
Seine Klassen seien voll, übermittelte er dem verdutzten Deutschen, und auch der Versuch in einem anderen Feldkircher
Gymnasium zu landen scheiterte mit der Suggestivfrage des Schulleiters an seinen Kollegen: „Du hast wahrscheinlich auch
keinen Platz mehr?“ Sein Rat an den Vater: „Schicken sie ihren Sohn doch auf die Mehrerau!“ Die Bildungsdirektion wollte den
12-Jährigen dann in einer Mittelschule unterbringen. Alles sehr verwunderlich. So landete der Bub
schließlich am Bodenseegymnasium in Lindau. Ganz problemlos. Selbiges wurde der hiesigen BH gleich mitgeteilt.
Noch größere Verwunderung bescherte dem besorgten Vater am 13. Februar dieses Jahres ein Schreiben der Bildungsdirektion Vorarlberg.
Hierin wurde er aufgefordert, mitzuteilen, welche Schule sein Sohn besuche. Denn es bestehe ja schließlich Schulpflicht.
Das ist also das österreichische Bildungs- und Schulsystem. Erst wehrt es sich gegen einen nicht-österreichischen Schüler und
vergisst ihn dann rund 18 Monate.
Auch das Schulsystem sollte Zeugnisse bekommen. In diesem Fall ein Armutszeugnis ...





