Bludenz: Modern, mutig und zukunftsorientiert
Foto: Matak Studios
Bürgermeister Simon Tschann über Investitionen, Gemeinschaft und die Stärken der Alpenstadt.
Von Dietmar Hofer
Anzeiger: Die finanzielle Lage ist überall angespannt, es muss gespart werden. Wie bewältigt man in Bludenz den Spagat zwischen Investieren in die Zukunft und Sparen in der Gegenwart?
Simon Tschann: Für keine Stadt ist die derzeitige Situation einfach. Wir haben mit einem gemeinsamen Prozess von Politik und Mitarbeitenden reagiert, um mit einer strukturellen Finanzreform Freiräume zu schaffen und dann wieder zu investieren. Denn wir haben große Aufgaben vor uns. Wir wollen weiter gezielt in Bildung, Infrastruktur, Sicherheit und Innenstadtbelebung investieren. Das heißt: klare Prioritäten, Projekte mit langfristigem Mehrwert und ein verantwortungsvoller Umgang mit unseren Finanzen. Sparen ja – aber ohne unsere Zukunft zu verbauen.
Welche größeren Projekte stehen in nächster Zeit an? Müssen Projekte aufgrund der Budgetsituation vorübergehend auf Eis gelegt werden?
In den nächsten Jahren stehen wichtige Projekte an: die Weiterentwicklung der Innenstadt, Investitionen in Freizeitinfrastruktur oder im Bereich Schulen und Kinderbetreuung. Wir werden den Zeitplan an die Budgetsituation anpassen und manches strecken müssen. Aber eines ist klar: Die Entwicklung von Bludenz legen wir nicht auf Eis – wir passen nur das Tempo an.
Die Stimmung in der Gesellschaft und Wirtschaft ist derzeit generell sehr negativ. Wie schafft man es da, ein positives Bild zu vermitteln?
Die Verunsicherung spüre ich deutlich – die Sorgen der Menschen sind real. Gleichzeitig erlebe ich in Bludenz viel Positives: engagierte Betriebe, starke Vereine, Ehrenamt und ein großes Miteinander in den Stadtteilen. Meine Aufgabe ist es, beides zu benennen: offen über Probleme zu sprechen, aber auch zu zeigen, wo wir gut unterwegs sind. Das ist für mich realistischer Optimismus statt Schönfärberei.
Inwiefern hat sich Bludenz in den letzten Jahren beziehungsweise seit Ihrem Antritt als Bürgermeister verändert?
Seit meinem Amtsantritt hat sich Bludenz sichtbar weiterentwickelt: mit der „Schule im Park“ als größter Schulerweiterung der Stadtgeschichte, Investitionen in die Feuerwehr – etwa der Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Bings – sowie in Infrastruktur und Wohnraum. Wichtig war mir auch ein neuer Stil im Rathaus: mehr Kommunikation, mehr Nähe zur Bevölkerung, mehr Einbindung bei Projekten. Wir sind Dienstleister und müssen das auch dementsprechend leben. Mit dem Format „Treffpunkt Bürgermeister“ komme ich beispielsweise direkt zu den Menschen in die Stadtteile – die Rückmeldungen sind sehr positiv. Bludenz ist innovativer, moderner und mutiger geworden, ohne seinen Charakter als Alpenstadt zu verlieren.
Die Adventszeit steht vor der Tür. Was hat Bludenz in dieser Zeit zu bieten und was macht ein Besuch der Alpenstadt attraktiv?
Unsere Altstadt mit den Laubengängen und dem Bergpanorama ist im Advent eine ganz besondere Kulisse. Der Christkindlemarkt mit regionaler Kulinarik, Kunsthandwerk und einem stimmungsvollen Rahmenprogramm macht die Alpenstadt zum Treffpunkt für Familien und Gäste. Dazu kommt die Nähe zu mehreren Skigebieten – tagsüber auf die Piste, abends durch die beleuchtete Altstadt schlendern: Genau diese Kombination macht Bludenz im Advent so attraktiv.
Viel Wirbel sorgt derzeit die Verlegung von Geburtenstationen. Auch Bludenz ist davon betroffen. Die Stadt kämpfte bis zum Schluss dagegen. Hat man sich damit jetzt „abgefunden“?
Die Schließung der Geburtenstation in Bludenz ist eine bittere Nachricht für die Stadt, die Region und die umliegenden Täler. Es geht um Kinder, Frauen und Familien – da hätte ich mir mehr Einsatz von allen Beteiligten erwartet. Wir haben bis zuletzt gekämpft. Jetzt braucht es klare Zusagen: eine starke Frauenmedizin, Hebammensprechstunden und Angebote, auf die sich Familien verlassen können. Die regionale Gesundheitsversorgung darf kein Experimentierfeld sein.
Für Sie persönlich war es wohl ein sehr ereignisreiches Jahr. Bald steht ja Weihnachten vor der Tür. Wie feiern Sie das Fest und was wünschen Sie sich für 2026?
Dieses Jahr war sehr intensiv – mit der Wiederwahl als Bürgermeister im ersten Wahlgang, der absoluten Mehrheit für unser Team und vielen Projekten, die fertiggestellt oder gestartet wurden. Zu Weihnachten freue ich mich deshalb besonders auf Zeit mit Familie und Freunden, abseits des politischen Alltags. Für 2026 wünsche ich mir vor allem, dass wir in Bludenz unseren starken Zusammenhalt weiter pflegen, weiterhin an einem Strang ziehen und Herausforderungen gemeinsam statt gegeneinander angehen. Dann kann unsere Alpenstadt sehr zuversichtlich in die Zukunft schauen.






