Auf einem Schwarzweißfoto lächelt eine Frau in einem weißen Hemd.

Silvia Böhler

Einfacher als Eis essen – von wegen


Vor knapp drei Monaten hat der Verkehrsverbund Vorarlberg sein neues Tarifsystem für Bus und Bahn eingeführt. Seither ist der Ticketkauf häufig mit Rätselraten verbunden – vor allem für jene, die nicht täglich mit Bus und Bahn unterwegs sind. Lokal, regional oder doch etwas anderes? Wer nicht genau weiß, welches Ticket für welche Zone und welche Fahrt gilt, kann schnell genervt sein.
Dabei wurde die Einführung des neuen Tarifsystems mit dem Versprechen „Einfacher als Eis essen“ beworben. Die Praxis zeigt allerdings ein anderes Bild.
Das neue System ist weder verständlicher noch für alle Fahrgäste günstiger geworden. Im Gegenteil: Manche müssen für ihre gewohnten Fahrten deutlich tiefer
in die Tasche greifen. Einige Fahrgäste suchen deshalb bereits nach skurrilen Möglichkeiten, um die höheren Kosten zu umgehen. So kostet eine zonenübergreifende Fahrt mit zwei Tickets oft weniger als mit einem Ticket. Wenn ein Tarifsystem Menschen dazu bringt, über Umwege nachzudenken, läuft etwas grundsätzlich falsch.
Natürlich kann nicht jeder Einzelfall berücksichtigt werden und man kann es auch nicht allen Recht machen. Das ist auch nicht der Anspruch des Verkehrsverbundes, der durchaus ein richtiges und wichtiges Ziel verfolgt. Mehr Menschen sollen Bus und Bahn nutzen. Gemäß dem Mobilitätskonzept Vorarlberg will das Land Vorarlberg den Anteil des öffentlichen Verkehrs bis 2030 steigern. Damit sollen CO2-Emissionen reduziert und Straßen entlastet werden. Angesprochen sind deshalb insbesondere Autofahrer, die für ihre Wege künftig Bus und Bahn nutzen sollen – und das am besten regelmäßig.
VVV-Geschäftsführer Christian Hillbrand sagt: „Wenn wir die vom Land vorgegebenen Mobilitätsziele erreichen wollen, müssen wir aus Gelegenheitsfahrern Stammkunden machen.“ Sprich, es sollen mehr Jahrestickets verkauft werden.
Wer neue Fahrgäste gewinnen und Autofahrer zum Umsteigen animieren will, muss ihnen gute Gründe dafür liefern. Niemand steigt freiwillig auf ein Verkehrsmittel um, bei dem bereits die Frage „Welches Ticket brauche ich eigentlich?“ zur ersten Hürde wird. Und wer verspricht, das Ticketing werde „Einfacher als Eis essen“, muss sich auch daran messen lassen. Ein attraktiver öffentlicher Verkehr beginnt nicht erst im Bus oder in der Bahn - er beginnt beim Ticketkauf. Aktuell hat der Verkehrsverbund hier mehr versprochen als umgesetzt. Es soll aber Nachschärfungen geben. Wir sind gespannt.