Franz Kabelka und Albert Lingg
Lingg las Kabelkas neues Buch dreimal – ein intensiver Dialog enstand
Fotos: ice
Kürzlich wurde im Kuppelsaal der Vorarlberger Landesbibliothek das neue Buch von Franz Kabelka vorgestellt. Im Zentrum des Abends stand ein Gespräch zwischen dem Autor und dem bekannten Vorarlberger Psychiater Albert Lingg.
Beide sind in Vorarlberg bekannte Persönlichkeiten mit Bezug zu Feldkirch – entsprechend lebendig und gehaltvoll entwickelte sich der Austausch über Kabelkas neuen Roman „Absolute Bettruhe. Protokoll eines ungebetenen Besuchs“.
Die Buchpräsentation begann allerdings weniger als klassische Lesung, sondern vielmehr als intensiver Dialog zwischen zwei Männern, die in ihren jeweiligen Bereichen über enormes Wissen verfügen. Fast hätte man darüber vergessen, dass es an diesem Abend eigentlich auch darum ging, aus dem Buch zu lesen.
Ausgangspunkt des Buches war eine schwere Erkrankung Kabelkas während der Pandemie. Was zunächst als persönliches Protokoll begann – als Versuch, Gedanken und Beobachtungen während der erzwungenen Ruhe festzuhalten – entwickelte sich nach und nach zu einem literarischen Projekt. Als die ersten Seiten geschrieben waren, traf sich Kabelka mit seinem Verleger. Beide waren sich rasch einig, dass daraus mehr entstehen könnte. Vielleicht, so die erste Idee, sogar wieder ein Krimi. Und tatsächlich wurde es in gewisser Weise einer – ein Krimi über das eigentlich ganz normale Leben.
Albert Lingg lobte in diesem Zusammenhang auch das bemerkenswerte medizinische Wissen, das sich Kabelka im Laufe seiner Krankheit offenbar angeeignet hat. Durch das intensive Befassen mit der eigenen Situation und durch eine Zeit, die zwar „geschenkt“, gleichzeitig aber auch ein Zwang zum Innehalten gewesen sei, habe sich der Autor viele Zusammenhänge selbst erschlossen – und diese auch im Buch eindrucksvoll verarbeitet.
Lingg betonte zudem, dass es sich nicht um eine klassische Autobiografie handle – was gut sei. Eine solche, so seine Ansicht, würde einem Leser schlicht eine sehr persönliche „ungschmackige“ Lebensgeschichte auftischen. Stattdessen habe Kabelka den Weg der Autofiktion gewählt – eine literarische Form, in der eigene Erfahrungen verarbeitet, aber fiktiv erweitert werden.
Wer der Präsentation zuhörte, konnte den Eindruck gewinnen, dass Kabelka in diesem Buch möglichst viel von seinem Wissen untergebracht hat – als wollte er noch alles weitergeben, bevor er den Kampf gegen seine Krankheit möglicherweise nicht gewinnen würde. Der Bogen spannte sich von Literatur – unter anderem wurde auch über Alexander Solschenizyn gesprochen – über psychologische Aspekte von Krankheiten bis hin zu Fragen rund um Freitod, unterschiedliche Behandlungsmethoden der Schulmedizin und alternativer Ansätze oder auch Phänomene wie Long Covid.
Nicht zuletzt ging es auch um die Frage, was eine schwere Erkrankung mit dem Umfeld eines Menschen macht – wie sie Beziehungen verändert, Angehörige beeinflusst und den Blick auf das Leben insgesamt verschiebt.
Aus einer persönlichen Krankheitsgeschichte entstand so ein vielschichtiges Buch, in dem Kabelka dem Humor bewusst Raum lässt. Bettruhe ist dafür absolut nicht nötig. (ice)






