Auf einem Schwarzweißfoto lächelt eine Frau in einem weißen Hemd.

Silvia Böhler

Gut vernetzt und doch einsam


Diese Woche hat für Kinder und Jugendliche wieder der sogenannte „Ernst des Lebens“ begonnen. Ein Satz, den wohl viele aus der eigenen Kindheit kennen.
Mit dem Schulbeginn sind Hausaufgaben, Prüfungen, Noten und damit oft auch Leistungsdruck verbunden. Schon Kindern wird bewusst oder unbewusst vermittelt „du musst fleißig lernen und etwas leisten“. Doch vielleicht sollten wir gerade zum Schulanfang noch einmal innehalten und uns fragen: Was brauchen Kinder und Jugendliche wirklich, damit sie gut durchs Leben kommen? Gute Noten allein sind es nicht.


Im Zeitalter der digitalen Medien können junge Menschen – so einfach wie noch nie – miteinander kommunizieren. Und sie tun es auch. Hier eine kurze Nachricht, da ein Daumen hoch oder ein Herzchen. Schnell noch einen Kommentar oder ein Foto in die Gruppe. Es blinkt, ploppt und summt den ganzen Tag, in der Schule, im Bus und sogar im Bett. Ständig sind vor allem Jugendliche mit anderen in Verbindung und trotzdem sagen immer mehr, dass sie sich einsam fühlen. Das passt doch nicht zusammen, oder?


Einsamkeit ist längst kein Thema mehr, das nur mit alten Menschen zu verbinden ist. Sie betrifft Berufstätige, die bei der Arbeit den ganzen Tag kommunizieren und am Abend doch allein sind. Familien, in denen alle ständig irgendwie beschäftigt. Frisch Pensionierte, die aus dem Arbeitsalltag gerissen werden. Und sie betrifft Kinder und Jugendliche, die fast den ganzen Tag online sind. Man kann heute mit vielen Menschen Kontakt haben und sich trotzdem allein fühlen. Umso wichtiger ist es, genauer hinzusehen. Aktuell hat das Land Vorarlberg in Zusammenarbeit mit dem aha – Jugendinfo Vorarlberg und der Universität Konstanz eine Umfrage unter Jugendlichen zum Thema Einsamkeit durchgeführt. Ziel ist, die Situation besser zu verstehen und daraus Maßnahmen abzuleiten.


Ideen dazu hätte ich einige: Familien sollten bewusst medienfreie Zeiten und Orte schaffen. Das beginnt vor allem bei den Erwachsenen – denn was sollen Kinder lernen, wenn Mama und Papa schon beim Kinderwagenschieben, auf dem Spielplatz oder auch zu Hause selbst permanent aufs Smartphone starren?

Auch Schulen sollten mehr als nur Orte der Wissensvermittlung sein. Das soziale Miteinander muss genauso ernst genommen und gefördert werden wie Mathematik, Deutsch und andere Fächer. Und schließlich sollte es in den Gemeinden viel mehr Orte geben, an denen Menschen – egal ob alt oder jung – zusammenkommen können. Ohne Konsumzwang und ohne einen bestimmten Zweck. Egal ob Jugendgruppen, Vereine, Skaterplätze oder Parkanlagen, es braucht Orte, an denen sich Menschen nicht nur begegnen, sondern auch miteinander ins Gespräch kommen und echte Freundschaften schließen können. Besonders den jungen Menschen müssen wir definitiv mehr mitgeben als Wissen und gute Noten.