Ein Dach für die Geburt

Wo das Leben beginnt entsteht in Feldkirch ein neues Angebot

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    Neben dem Antoniushaus am Blasenberg soll ein Haus für Geburten entstehen.

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    Brigitta Soraperra 

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Fotos: Stiplovsek Dietmar /ice

In Feldkirch nimmt ein Projekt Gestalt an, das werdenden Eltern Wahlmöglichkeiten geben will.

Am Blasenberg soll ein Ort entstehen, der die Lücke zwischen Klinik und Hausgeburt schließt. Die IG Geburtskultur a-z setzt auf ein hebammengeleitetes Modell und sieht darin eine notwendige Erweiterung der bestehenden Angebote.

Der Ausgangspunkt der Idee lag in einer persönlichen Erfahrung von Brigitta Soraperra vor rund zehn Jahren. Damals begann sie sich intensiv mit dem Thema Geburt auseinanderzusetzen. Was als einzelnes Gespräch begann, entwickelte sich zu einer klaren Haltung. „Wer sich mit der Bedeutung von Geburt beschäftigt, erkennt schnell, dass es mehr braucht als bestehende Strukturen“, so Soraperra.

Heute steht sie mit an der Spitze eines Projekts, das in Vorarlberg eine spürbare Lücke schließen soll. Zwischen Spitalsgeburt und Hausgeburt fehlt bislang ein Angebot, das beide Bereiche sinnvoll ergänzt. Für die IG Geburtskultur a–z ist diese Entwicklung seit Jahren offensichtlich. Schließungen und Zusammenlegungen von Geburtenstationen haben die Situation zusätzlich verschärft. Gerade im Zuge der aktuellen Reformen im Gesundheitswesen sehen die Initiatorinnen den richtigen Zeitpunkt gekommen für ihr Haus rund um die Geburt.

Betreuung durch Hebammen
Das Projekt „Raum für Geburt. Am Blasenberg“ setzt auf eine hebammengeleitete Versorgung mit ambulanten Geburten. Für gesunde Schwangere gilt dieses Modell international als sicher, ist interventionsärmer und führt zu mehr Zufriedenheit. Beispiele aus Dänemark sowie aus dem nahegelegenen St. Gallen zeigen, dass sich dieser Ansatz in der Praxis bewährt hat.

Im Zentrum steht eine kontinuierliche Begleitung von der Schwangerschaft über die Geburt bis ins Wochenbett. Die Betreuung erfolgt durchgehend durch dieselben Fachpersonen. Das schafft Vertrauen und gibt Sicherheit. Eine Eins-zu-eins-Begleitung während der Geburt ist dabei vorgesehen. Gleichzeitig bleibt die intensivmedizinische Versorgung jederzeit erreichbar. Die Nähe zum Landeskrankenhaus Feldkirch sorgt für eine schnelle Anbindung, sollte zusätzliche Unterstützung notwendig werden. Wichtig ist den Initiatorinnen die Einordnung ihres Vorhabens. Es geht nicht um Konkurrenz zum Krankenhaus, sondern um eine Ergänzung, die Frauen und Familien mehr Wahlmöglichkeiten eröffnet.

Ein besonderer Standort
Mit dem Standort am Blasenberg ist ein entscheidender Schritt gelungen. Die Kreuzschwestern stellen ein Grundstück im Baurecht zur Verfügung. Die Lage verbindet Ruhe und gute Erreichbarkeit. Eingebettet ins Grüne und zugleich nahe am Landeskrankenhaus entsteht ein Ort, der Sicherheit und Geborgenheit vereint. Das Antoniushaus stellt den Menschen in den Mittelpunkt und versteht sich mit einem Kindergarten und einem Pflegeheim als Generationenhaus. Dass hier in Zukunft der Beginn des Lebens Raum bekommen soll, sehen auch die Kreuzschwestern als Bereicherung.

Architektur ist Teil
Das Projekt ist nicht nur inhaltlich, sondern auch architektonisch bis ins Detail durchdacht. Vorgesehen ist ein modulares System aus drei kleinen Baukörpern. Zwei davon dienen als Geburtsbereiche, ein weiterer als Aufenthalts- und Seminarraum.

Die Gestaltung folgt einem klaren Ansatz. Materialien wie Holz und Lehm, der direkte Zugang ins Freie sowie die Einbindung von Licht, Wasser und Natur schaffen eine Umgebung, die Ruhe und Vertrauen fördert. Es geht nicht nur um Funktionalität, sondern um Räume, die sich an den Bedürfnissen der werdenden Eltern orientieren und das Wohlbefinden stärken. Die Struktur erinnert an eine kleine, bewusst gestaltete Einheit und lässt sich bei Bedarf erweitern. Ein Wochenbettbereich ist derzeit nicht vorgesehen, könnte aber später ergänzt werden.

Finanzierung offen
Die größte Herausforderung bleibt die Finanzierung. Rund 1,5 Millionen Euro sind für die Umsetzung notwendig.Ein Teil soll über eine Genossenschaft getragen werden, die als Bauträgerin fungiert. Darüber hinaus sind die Initiatorinnen auf Unterstützung angewiesen. „Wir suchen Menschen, die dieses Projekt mittragen wollen“, so Brigitta Soraperra.

Für sie steht fest, dass es sich um eine Investition in die Zukunft handelt. Ein Angebot, das nicht nur Familien zugutekommt, sondern auch das Gesundheitssystem entlasten kann. Nach mehr als zehn Jahren Vorbereitung sei das Projekt inhaltlich und konzeptionell ausgereift. Viele Aspekte greifen ineinander, von der Betreuung über den Standort bis hin zur Architektur. Am Ende steht eine gemeinsame Überzeugung. Dass es diesen Ort braucht. Und dass es sich lohnt, genau dort zu investieren, wo das Leben beginnt. Weitere Informationen unter geburtskultur.com. (ice)