Vereine mit Sonderstatus?

In Feldkirch sind an die 500 Vereine gemeldet

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    Kurator Arno Egger 

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Foto: Patricia Keckeis

Gibt es in Feldkirch einen Sonderstatus für bestimmte Kulturvereine oder handelt es sich vielmehr um historisch gewachsene Strukturen, die nun auf den Prüfstand kommen?

Fest steht, wo Veränderungen ansetzen, werden sich nicht alle Perspektiven gleichermaßen wiederfinden. Am Ende bleibt fast zwangsläufig jemand zurück, der sich nicht gerecht behandelt fühlt, weil es nicht dem eigenen Verständnis entspricht.

Das Kulturleben in Feldkirch, im Speziellen bei fünf etablierten Vereinen, befindet sich derzeit an einem Wendepunkt. Über Jahrzehnte hinweg wurden fünf zentrale Kulturvereine – die Rheticus-Gesellschaft, Musik in der Pforte, die Gesellschaft der Musikfreunde, die Ausstellungsprojekte Johanniterkirche sowie das Kunst Palais Liechtenstein – von der Stadt nicht nur finanziell, sondern auch administrativ unterstützt. Diese Form der indirekten Kulturförderung ermöglichte es den Vereinen, sich auf ihre inhaltliche Arbeit zu konzentrieren, während organisatorische Aufgaben im Hintergrund von der Stadt übernommen wurden. Ein Modell, das sich bewährt hat und dennoch zunehmend hinterfragt wurde.

Mit dem bevorstehenden Ruhestand einer langjährigen Mitarbeiterin, die diese Aufgaben maßgeblich getragen hat, rückt die Zukunft dieses Systems in den Fokus. Die Stadt Feldkirch prüft derzeit eine Neuausrichtung. Künftig könnten die Vereine ihre administrativen Agenden selbst übernehmen und dafür verstärkt finanziell unterstützt werden. Ziel ist mehr Transparenz und Gleichbehandlung unter allen Kulturinitiativen. Rund 80.000 Euro jährlich fließen aktuell in diese personellen Leistungen, ein Betrag, der ebenso zur Diskussion steht wie die Frage nach Fairness gegenüber anderen Vereinen.

Während die Stadt den Prozess als offen und dialogorientiert beschreibt, sorgt die mögliche Veränderung bei den Betroffenen für Unsicherheit und bereits für konkrete Konsequenzen.

Der Verein „Ausstellungsprojekte Johanniterkirche“, seit über 30 Jahren ein bedeutender Ort für zeitgenössische Kunst, wird seine Tätigkeit Ende 2026 einstellen müssen. Kurator Arno Egger sieht unter den neuen Rahmenbedingungen keine Möglichkeit mehr, das bisherige Qualitätsniveau aufrechtzuerhalten. Vor allem der Wegfall administrativer Unterstützung und personeller Ressourcen stellt für den kleinen Verein eine kaum zu bewältigende Herausforderung dar.

Egger spricht von einer kurzsichtigen und realitätsfremden Entscheidung und verweist auf die über Jahrzehnte gewachsene Struktur sowie die kulturelle Bedeutung des Kunstraums. Tatsächlich hat sich die Johanniterkirche als niederschwelliger und zugleich anspruchsvoller Ausstellungsort etabliert, der weit über die Region hinausstrahlt. Besonders ist dabei nicht zuletzt der Ort selbst, eine Kirche. Dass dieser Raum heute selbstverständlich für zeitgenössische Kunst genutzt wird, ist das Ergebnis vieler Gespräche und Überzeugungsarbeit, ein Prozess, den Egger maßgeblich geprägt hat. Seine offene Art mag bisweilen anecken, doch sie ist getragen von einer klaren Haltung. Kunst und Kultur müssen lebendig sein und dürfen fordern.


Laut Egger zeigt sich auch die Diözese, die die Kunstinstallationen in den vergangenen Jahren zu schätzen gelernt hat, enttäuscht über diese Entwicklung.

Aktuell ist eine Glasskulptur von Michael Hirschbichler zu sehen, die bereits für Diskussionen gesorgt hat, etwa durch die Entnahme von Sand aus dem Kirchenboden. Im Juni ist für dieses Jahr noch eine Installation von Mathias Kessler geplant. Wird es dann still in der Johanniterkirche?

Lösung wird gesucht

Die Stadt betont ihre hohe Wertschätzung für die geleistete Kulturarbeit. Bürgermeister Manfred Rädler unterstreicht die Bedeutung der Johanniterkirche als kulturellen Leuchtturm und versichert, dass an Lösungen gearbeitet wird, um Qualität und Kontinuität langfristig zu sichern. Eine endgültige politische Entscheidung steht allerdings noch aus.

Sonderstatus
Zwischen Sparzwängen, strukturellen Anpassungen und dem Anspruch, kulturelle Vielfalt zu bewahren, wird einmal mehr deutlich, dass sich Kunst und Kultur nur schwer in Zahlen fassen lassen. Messbar sind hingegen die Förderungen. So erhält etwa der Verein „Montforter Zwischentöne“ rund eine halbe Million Euro von Stadt und Land. Ist das ein gerechtfertigter Sonderstatus?

Chance für neue Wege
Die daraus entstandene Debatte sollte nun vor allem als Chance begriffen werden, nicht krampfhaft an bestehenden Strukturen festzuhalten, sondern offen darüber nachzudenken, wie neue Wege entstehen und nachhaltig gestaltet werden können.

Entscheidend wird sein, welchen Stellenwert Kunst und Kultur in Feldkirch künftig einnehmen sollen und ob es gelingt, alle Perspektiven mit dem nötigen Respekt einzubinden. Denn anders als die Politik, die oft klare Positionen und Mehrheiten sucht, lebt Kunst und Kultur von Vielfalt, Widerspruch und subjektiver Wahrnehmung. (ice)


Vereine in Feldkirch:

Sport / Freizeit: 160
Kultur/Kunst/Musik: 94
Soziales / Gesundheit: 58
Bildung / Brauchtum: 26
Jugend / Kinder / Senioren: 40
Wirtschaft: 7
Natur und Umwelt / Rettung: 47
Sonstiges: 68