Am Ende doch noch

Endlich - Brigitte Walk macht das Montforthaus selbst zum Teil der Inszenierung

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    Die Theatermacher nach der Premiere 

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    Von außen nach innen wanderte das Publikum

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    Brigitte Walk und Marcus Nigsch

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Fotos: ice

Brigitte Walk ist walktanztheater.com – und das seit 25 Jahren. Jetzt, am Ende dieser Karriere, konnte sie endlich etwas lange Erwünschtes umsetzen.

Sie macht längst nicht nur Theater, sie lebt es. Ihr Credo – mit offenen Augen zu träumen und Träume in Wirklichkeiten zu verwandeln – hätte kaum passender zum aktuellen Stück sein können, und genau das spürte man bei der Jubiläumsproduktion.

Am 11. Februar feierte „Ich träume mit offenen Augen Wirklichkeiten. Schwanengesänge.“ im Montforthaus Feldkirch Premiere. Über 100 Gäste waren gekommen und wurden Zeugen eines Abends, der Poesie, Musik, Tanz, Raum, Haus und Ensemble zu einem beeindruckenden Gesamtkunstwerk verband.

Lasker-Schüler und Nigsch
Gedichte von Else Lasker-Schüler trafen auf die eindringliche Musik von Marcus Nigsch. Das Ensemble agierte präzise, intensiv und mit spürbarer Hingabe. Es entstand ein Theatererlebnis, das nicht nur erzählt, sondern Atmosphären schafft, Gedanken(t)räume öffnet und berührt – nicht nur leise und klug, auch schamhaft kraftvoll.

Haus stand im Mittelpunkt
Das Montforthaus selbst wurde Teil der Inszenierung. Die markante Glasfassade mit ihren Blickachsen von außen nach innen und von innen nach außen wurde dramaturgisch genutzt. Das Haus war nicht länger bloß Austragungsort, sondern agierte als Mitspieler. Architektur und Theater gingen eine Verbindung ein, wie sie einem Kulturhaus dieses Formats würdig sind. Ein Bau unserer Zeit durfte zeigen, was er sein kann: offen, transparent, strahlend – ein Ort lebendiger Kultur. Zwar wurde das Montforthaus schon bei den Montforter Zwischentönen gerne für „mehr“ verwendet, Walk aber war mit dieser Aufführung gezielt darauf aus, auch das Haus selbst in den Mittelpunkt zu stellen.

Langer Atem
Schon vor fünf Jahren wollte Walk das Montforthaus bespielen. Die Idee war da, der künstlerische Blick ebenso – doch bis Visionen Realität werden, braucht es manchmal langen Atem. Neue Wege verlangen Mut. Nicht von Brigitte Walk, die seit jeher bereit ist, Räume anders zu denken. Sondern von jenen, die solche Schritte ermöglichen müssen. Ein Haus, eine Stadt, Entscheidungsträger – sie alle brauchen Zeit, um Ungewohntes zuzulassen und das Potenzial darin zu erkennen.

Dass diese Inszenierung nun Wirklichkeit werden konnte, zeigt: Geduld zahlt sich aus. Verständnis wächst manchmal langsamer als eine künstlerische Idee. Umso schöner, dass das Montforthaus nun nicht nur Kulisse sein durfte, sondern selbst Teil des künstlerischen Konzepts wurde – ein Gewinn für das Haus, für die Stadt und für das Publikum.


Und ja, „Schwanengesänge“ klingt nach Abschied. Walk spricht davon, dass mit ihren Inszenierungen Schluss sei. Worte wie Müdigkeit, Enttäuschung, fehlende Kampfbereitschaft könnten ihre Situation beschreiben. 25 Jahre freie Theaterarbeit sind kein Spaziergang.

Und doch: Wer Walk nach der Premiere sah, sah keine Resignation. Man sah Freude, Stolz, eine Künstlerin, die ihr Ensemble liebt und ihr Werk ehrt – und das zu Recht. Dieses Stück ist ein weiterer Beweis dafür, dass Walk Räume verwandelt, Perspektiven verschiebt und uns alle einladen kann, mit offenen Augen zu träumen.

Auch wenn es für walk tanztheater.com nun zu Ende ist, Brigitte Walk hat uns einmal mehr gezeigt, dass das Außergewöhnliche manchmal direkt vor unserer Nase liegt – wir müssen es nur erkennen. Mit Walk und Nigsch ist es da, mitten in Feldkirch, hinter einer Glasfassade, für alle, die hinschauen wollen. (ice)


Info:

Inszenierung: Brigitte Walk
Ausstattung: Sandra Münchow
Musik: Marcus Nigsch
Choreographie: Ensemble
Tanz: Marina Rützler, Silvia
Salzmann, Elenita Queiroz,
Fabian T Huster, Kilian Haselbeck Schauspiel: Helga Pedross
Gesang: Jelena Dojcinovic
Mitspieler: Nimatullah Behbodi, Paula Czizegg, Nicole Holzer, Bohdan Mysan, Renate Rigger, Masal Saskin, Magdalena Scherer, Lena Voznyuk
Maske: Claudia Rohlfing / Lena Voznyuk
Lichtdesign: Andreas Aichholzer
Produktionsleitung: Marina Höfler
Technische Leitung: Andreas Aichholzer / Montforthaus

Weitere Aufführungen:
26.2.26 / 27.2.26 / 15.3.26 / 16.3.26 jeweils 19 Uhr.
Das Publikum ist auch im Freien vor den Fenstern.

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