Die Verfolgung der Zeugen Jehovas

Die religiöse Minderheit wurde nicht nur unter den Nationalsozialisten verfolgt

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    Organisatoren und Referenten: Johannes Spies, Harald Walser, Gerti Malle, Christian Pellini und Stefan Stachniß (v. l.)

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Foto: Schwald

Geschichtsverein-Obmann Stefan Stachniß begrüßte die Besucher in der Remise und stellte heraus, wie wichtig es sei, Themen wie die Verfolgung der Zeugen Jehovas, aber auch anderer Minderheiten, immer wieder anzusprechen. 


Als Referenten zu diesem Thema konnten Harald Walser und Gerti Malle gewonnen werden. Der Vorarlberger Historiker beschäftigt sich bereits seit Jahrzehnten mit Themen des Nationalsozialismus. Walser ging bei seinem Überblick auf die spezielle Situation der Zeugen Jehovas in Vorarlberg ein. Er erklärte, dass die Zeugen Jehovas trotz ihrer geringen Zahl schon nach dem 1. Weltkrieg auch in Vorarlberg als Minderheit ausgegrenzt wurden. Die spezielle Lage des Landes habe dazu geführt, dass es seit den 1920er-Jahren gewissermaßen als Drehscheibe fungierte. Mit dem Anschluss an Nazi-Deutschland verschärfte sich die Situation weiter. Auch wenn die Zahlen unsicher seien, dürften etwa 10.000 sogenannte „Bibelforscher“ verhaftet worden und 2.000 von ihnen in KZs gelandet sein. 1.200 wurden schließlich hingerichtet. Dabei hätten sie als einzige Insassen von KZs die Möglichkeit gehabt, entlassen zu werden, wenn sie das System akzeptiert und ihrem Glauben abgeschworen hätten.


Im zweiten Teil referierte die Klagenfurter Historikerin Gerti Walle, die sich seit einem Vierteljahrhundert mit der Thematik beschäftigt, über ihr im Vorjahr erschienenes Buch „Jehovas Zeugen in Österreich“. Neben einer Übersicht über die einzelnen Kapitel der umfangreichen Publikation präsentierte sie Biografien von drei verfolgten Zeugen Jehovas. Die Ausführungen der beiden Referenten sorgten für betretenes Schweigen in der Remise. Die Betroffenheit führte dazu, dass Moderator Johannes Spies von erinnern.at nur schwer eine Diskussion in Gang brachte. Das war ein Beleg dafür, wie wichtig gerade in Zeiten wie diesen die Erinnerungen an die Grauen des Nazi-Terrorregimes sind. Man darf nicht vergessen, wie schnell Minderheiten auch heute noch ausgegrenzt und verfolgt werden. (os/Gastbeitrag)