Auf einem Schwarzweißfoto lächelt eine Frau in einem weißen Hemd.

Silvia Böhler

Eine Frage des Geldes


Der Großteil der Kinder in Vorarlberg wächst gut auf - und vor allem bei Erstklässlern ist die Vorfreude auf den Beginn der Schule groß. Für manche Eltern beginnt mit dem Schulstart aber auch das Rechnen: Was können wir uns leisten – und worauf müssen wir verzichten? Die Kosten rund um die Schule summieren sich schnell. Neben der Erstausstattung kommen Sportbekleidung, Ausflüge, Mittagessen, Schulmaterialien oder Beiträge für Klassenaktivitäten hinzu. Was für manche selbstverständlich ist, kann für andere zur finanziellen Belastungsprobe werden.


Dass junge Menschen in Vorarlberg überdurchschnittlich häufig von Armut und damit auch von Ausgrenzung betroffen sind, belegt der Landesgesundheitsbericht Vorarlberg 2022. Demnach waren von 2019 bis 2021 durchschnittlich 27 Prozent der 0 bis 14-Jährigen armuts- und/oder ausgrenzungsgefährdet. Eine Entspannung ist laut Volkshilfe und Caritas auch nach vier Jahren nicht in Sicht.


Armut wird besonders zum Schulstart sichtbar und Kinder spüren den Unterschied sofort. Nicht selten schämen sie sich dafür und ziehen sich zurück. Kinderarmut bedeutet deshalb nicht nur materiellen Verzicht, sondern beeinträchtigt die jungen Menschen auch in ihrer persönlichen Entwicklung, der Teilhabe im Klassengefüge und den weiteren Lebenschancen. Die negativen Folgen sind bekannt und vielfach wissenschaftlich belegt. Wer aus der „letzten Reihe“ startet, wird im weiteren Bildungsverlauf deutlich seltener gefördert und häufiger abgehängt. Verhindern finanzielle Nöte zudem die Mitgliedschaft in Vereinen oder anderen Freizeitaktivitäten wird aus sozialer Ungleichheit schnell gesellschaftliche Ausgrenzung.


Vor diesem Hintergrund wurde das Landesprogramm „Vorarlberg lässt kein Kind zurück“ ins Leben gerufen. Damit soll allen Kindern und Jugendlichen ein gutes Aufwachsen ermöglicht und Gemeinden dabei unterstützt werden, Angebote zu schaffen, die insbesondere benachteiligte Kinder fördern. Sogenannte Präventionsketten von der Geburt bis zum Berufseintritt sollen auf- und ausgebaut werden.


Der Anspruch ist groß, die Umsetzung noch nicht groß genug. Aktuell sind weniger als die Hälfte der 96 Gemeinden bei „Vorarlberg lässt kein Kind zurück“ dabei. Vielleicht, weil in den Gemeinden bereits viel für Kinder getan wird. Vielleicht aber auch, weil das Programm kein Programm gegen Kinderarmut ist. Ob ein Kind unbeschwert in die Schule starten oder an Freizeitaktivitäten teilhaben kann, hängt vor allem davon ab, wie viel Geld eine Familie zur Verfügung hat. Natürlich gibt es Unterstützungen. Wenn Familienbeihilfen und Co. aber nicht mit den steigenden Lebenshaltungskosten Schritt halten können, bedeutet das, dass Familien trotz vorhandener Leistungen zu wenig Geld zur Verfügung haben. Sie brauchen deshalb nicht nur gut klingende Programme, sondern tatsächlich auch „klingende Münzen“.