Neue Wehrpflicht, alte Kaserne

Die Walgaukaserne in Bludesch hat großen Nachholbedarf

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    Die Walgaukaserne ist in die Jahre gekommen und entspricht teilweise nicht mehr den modernen Standards.

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    Rund 150 Berufssoldaten und rund 500 Grundwehrdiener sind in der Walgaukaserne stationiert.

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    2023 wurde ein neuer Hubschrauber-Hangar in Betrieb genommen.

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Fotos: Militärkommando Vorarlberg

Landeshauptmann Markus Wallner fordert mehr Tempo bei der Reform des Wehrdienstes. Doch es braucht auch Kasernen, die den Anforderungen der Gegenwart entsprechen. Die Walgaukaserne in Bludesch zeigt, wie groß der Aufholbedarf ist.

„Österreich muss seine Wehrfähigkeit ausbauen“, betonte Landeshauptmann Markus Wallner am Dienstag und forderte mehr Tempo bei der Reform der Wehrpflicht. Damit das Bundesheer seine Aufgaben der Landesverteidigung erfüllen kann, braucht es allerdings nicht nur gut ausgebildete Soldaten, sondern auch moderne Ausrüstung, zeitgemäße Bewaffnung und eine entsprechende Infrastruktur. Genau hier besteht beim Bundesheer seit Jahren Nachholbedarf.
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner verweist darauf, dass in den vergangenen drei Jahrzehnten zu wenig in das Bundesheer investiert worden ist. Das soll sich nun ändern. In den kommenden zehn Jahren sollen unter anderem die Luftabwehr ausgebaut, die Soldaten mit moderner Ausrüstung und Bewaffnung ausgestattet und die Kasernen umfassend modernisiert werden. Grundlage dafür ist der sogenannte „Aufbauplan 2032+“.

Renovierung notwendig
Wie dringend Investitionen notwendig sind, zeigt sich offenbar auch in der Walgaukaserne in Bludesch. Bundesrätin Sandra Jäckel kritisiert in einer parlamentarischen Anfrage unter anderem die unzureichende Ausstattung des Wachbereichs und der truppenärztlichen Station. Außerdem würden die Mannschaftsunterkünfte nicht mehr den geforderten Standards entsprechen. Dabei gibt es für die Walgaukaserne bereits seit Jahren weiterreichende Pläne. Schon 2018 war vorgesehen, den Standort zu einer regionalen „Sicherheitsinsel“ auszubauen. Die Kaserne sollte sich unabhängig von äußeren Einflüssen selbst versorgen können und im Ernst- oder Katastrophenfall zugleich als Anlaufstelle für Blaulichtorganisationen wie Feuerwehr und Polizei dienen. Geplant waren unter anderem eine eigene Energie- und Wasserversorgung sowie Möglichkeiten zur Lagerung von Lebensmitteln. Die entsprechenden baulichen und technischen Maßnahmen sollten ursprünglich bis 2025 umgesetzt werden. Wie weit die Autarkie der Walgaukaserne inzwischen vorangeschritten ist, darüber hält sich das Bundesheer allerdings bedeckt. Der Ausbau sei bereits gestartet, weitere Details könnten aus Geheimhaltungsgründen nicht genannt werden, erklärt Oberst Michael Kerschat, Pressesprecher des Militärkommandos Vorarlberg.

In den kommenden Jahren soll die Walgaukaserne vor allem als Einsatzbasis für militärische Kräfte in Vorarlberg weiterentwickelt werden. 2023 erfolgte der Bau eines neuen Hubschrauber-Hangars. Heuer sollen zusätzliche Garagen für die „zu erwartenden Geräte des Jägerbataillons 23“ errichtet werden. Gleichzeitig steht eine Reihe notwendiger Sanierungsmaßnahmen an. Die Walgaukaserne ist rund 40 Jahre alt. Entsprechend lang ist die Liste der notwendigen Arbeiten. Flachdächer und Garagen müssen abgedichtet, Rohrleitungen instand gesetzt und die Sanitäranlagen verbessert werden. Auch die Unterkunftsgebäude sollen um ein Stockwerk erhöht werden. All das soll entsprechend der budgetären Mittel in den kommenden Jahren passieren. 

Schießplatz fehlt
Ein weiteres Problem, das sich allerdings nicht allein mit Geld lösen lässt, ist der fehlende Schießplatz. Seit Jahrzehnten versucht das Bundesheer, einen eigenen Schießplatz im Walgau zu schaffen. Bislang ohne Erfolg. „Das Vorhaben ist immer an den Protesten der Bevölkerung beziehungsweise der Anrainer gescheitert“, sagt Michael Kerschat. Als Alternative verfügt die Walgaukaserne über eine Indoor-Schießanlage. Für eine umfassende militärische Ausbildung reiche diese jedoch nicht aus. Ein eigener Schießplatz und ausreichend große, dauerhaft verfügbare Übungsflächen seien dringend notwendig.

Österreich will seine Wehrfähigkeit stärken und den Wehrdienst verlängern. Gleichzeitig besteht aber bei der Infrastruktur, die für die Ausbildung notwendig ist, noch erheblicher Aufholbedarf. Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis die Walgaukaserne diesen Anforderungen entspricht und den Soldaten einen zeitgemäßen Rahmen für ihre Ausbildung bieten kann. (sb)