Fürspruch für Siegerprojekt

Kammer der Ziviltechniker:innen stellt sich hinter die Vogewosi

  • Bildtitel

    Blick auf die Siedlung unweit der Bregenzer Ach im Jahr 2024.

    Button

Foto: Raumplanung/Land Vorarlberg

Die Kritik an der Neugestaltung der Südtirolersiedlung an der Rheinstraße in Bregenz reist nicht ab. Jetzt schaltet sich auch die Kammer der Ziviltechniker:innen für Tirol und Vorarlberg ein. Sie weist Kritik an den Plänen für den Neubau zurück und verteidigt das laufende Wettbewerbsverfahren.

Die Südtirolersiedlungen sind ein gebautes Stück Geschichte. Sie wurden Anfang der 1940er-Jahre für Familien erstellt, die im Zuge des „Hitler-Mussolini-Abkommens“ aus Südtirol kamen. Sie wurden vom Stuttgarter Architekten Helmut Erdle (1906–1991) geplant und sind architektonisch von der Gartenstadtbewegung und der Stuttgarter Schule geprägt. Während einige, wie in Bludenz, als „Schmuckstücke“ saniert werden, gibt es in Bregenz, Abrisspläne, die auf Widerstand stoßen. Auch vonseiten des Vorarlberger Architekturinstitutes (VAI). So fordert Direktorin Verena Konrad mehr Weitsicht: Natürlich werde es immer wieder Neubau geben müssen. Aber die Frage sei: Muss der auf Kosten von wirklich kulturhistorisch relevanten Siedlungen gehen? Wir würden außerdem die Ressourcen und die Energie, die in diesen Gebäuden stecken, grundlegend falsch bewerten, denn würde man das in die Berechnungen mit einbeziehen, dann wäre die Rechnung natürlich anders.“ Zudem spricht sich Konrad an dieser Stelle für eine Änderung der Förderung von Sanierungen im öffentlichen sozialen Wohnungsbau aus.

Führspruch durch Kammer
Jetzt schaltet sich jedoch die Kammer der Ziviltechniker:innen ein und stellt sich hinter die Vogewosi indem sie bei der Südtirolersiedlung in der Rheinstraße ein „vorbildlich durchgeführtes Wettbewerbsverfahren“ sieht.


Das Projekt basiere auf einem mehr als fünfjährigen, begleiteten Planungsprozess, in dem unterschiedliche Szenarien, angefangen bei der vollständigen Erhaltung bis hin zu Neubauten, geprüft wurden. Eine komplette Sanierung sei aus wirtschaftlichen Gründen schlichtweg nicht umsetzbar, betont Architekten-Sektionsvorsitzende Carmen Schrötter-Lenzi. Auch alternative Sanierungsansätze hätten sich im Vergleich nicht durchgesetzt. Sie hätten entweder zu hohe Kosten verursacht oder bei der städtebaulichen Qualität oder der Umsetzbarkeit nicht überzeugen können. „In diesem Fall würde aus einem gemeinnützigen Wohnbauprojekt eine hochpreisige Wohnanlage werden“, erklärt Schrötter-Lenzi. Dies widerspreche dem Auftrag des gemeinnützigen Wohnbaus.
Dem schließt sich Kammerpräsident Hanno Vogl-Fernheim an: „Aus meiner Erfahrung mit Südtirolersiedlungen in Tirol, wo von Neubau über Abriss bis Sanierung mehrere Varianten umgesetzt wurden, ist die Sanierung oft wirtschaftlich nicht tragbar.“ Der aufwendige Prozess der Vogewosi mit einem Ideen- und einem Realisierungswettbewerb sei im Wohnbau alles andere als selbstverständlich.


Das Siegerprojekt sieht vor, dass 80 der derzeit 280 Wohnungen bestehen bleiben, während durch Neubauten Platz für insgesamt rund 320 Wohnungen entsteht. Das Areal rund um den Südtiroler Platz soll als identitätsstiftendes Zentrum weiterentwickelt werden. Das sei laut Kammer eine realistischen Lösung, die leistbaren Wohnraum schaffe und dies mit der Weiterentwicklung bestehender Qualitäten verbinde.

Schwammstadtprinzip

Damit reagiert die Kammer unter anderem auch auf die Kritik von Architekt Gerold Strehle, der am Masterplan für den Neubau der Südtirolersiedlung zweifelt. Strehle zeigt sich überzeugt, dass mit der entsprechenden Fachkenntnis eine Sanierung und Aufstockung möglich wäre. Dies würde nicht nur mehr leistbaren Wohnraum, sondern auch andere Qualitäten wie das Schwammstadtprinzip ermöglichen. (pd/mh)