Gendarmerie in der Historie

Ausstellung zur Geschichte der Gendarmerie in Vorarlberg in den Museumswelten

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    In den Frastanzer Museumswelten ist derzeit die Ausstellung „1850 bis 2005 – 155 Jahre 

    Vorarlberger Gendarmerie-Geschichte zu sehen. 

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Foto: LPD Vorarlberg/Emma Giselbrecht

In den Museumswelten in Frastanz wurde die Ausstellung „1850 bis 2005 – 155 Jahre Vorarlberger Gendarmerie-Geschichte“ eröffnet.

Die vom Exekutivhistorischen Verein Vorarlberg gestaltete Ausstellung zeigt die Entwicklung der Gendarmerie von ihren Anfängen in der Zeit der Monarchie bis zur Zusammenführung mit der Bundespolizei zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Anhand von Exponaten, Fotografien und Dienstvorschriften wird der Wandel von der kaiserlich-königlichen Ära über die Weltkriege bis hin zur modernen Sicherheitsexekutive nachgezeichnet. Ein besonderer Fokus liegt auf der technischen Modernisierung, die sich in der Entwicklung von Bewaffnung, Fuhrpark und kriminaltechnischen Methoden widerspiegelt. Zudem werden wichtige organisatorische Meilensteine thematisiert, etwa die Integration von Frauen ab 1984, die Gründung von Spezialeinheiten wie der „Cobra“ sowie die Geschichte der Gendarmerieschule in Feldkirch-Gisingen.
„Über viele Generationen waren Gendarmen in unseren Gemeinden präsent – nicht nur als reine Sicherheitsorgane. Sie waren Ansprechpartner, Vermittler, Vertrauenspersonen und ein fester Bestandteil des öffentlichen Lebens“, betonte Sicherheits-Landesrat Daniel Allgäuer bei der Eröffnung der Ausstellung. Die Geschichte der Gendarmerie erzähle von Menschen, „die unter oft schwierigen Bedingungen Verantwortung übernommen und Sicherheit gewährleistet haben – bei Tag und Nacht, bei Hochwasser, Lawinen, Grenzkonflikten oder in Zeiten gesellschaftlicher Veränderungen“.

Allgäuer richtete den Blick auch auf die neuen Herausforderungen, denen sich die moderne Polizei heute gegenübersieht. Dazu zählen Digitalisierung, Cyberkriminalität, internationale Vernetzung von Straftätern, Extremismus und der Schutz kritischer Infrastrukturen. (pd/red)


Fakten und Kurioses über die Vorarlberger Gendarmerie

•Ein besonders kurioses Kapitel der exekutivhistorischen Zeitgeschichte ist die geografische Verflechtung des 19. Jahrhunderts. Zwischen 1860 und 1866 befand sich der Sitz des Landesgendarmeriekommandos Nr. 3, das für das heutige Vorarlberg zuständig war, nicht etwa in Bregenz oder Innsbruck, sondern in Venedig.

•Tragisches Vergessen: Sicherheitsstandards sind oft das Resultat schmerzhafter institutioneller Lernprozesse. Ein erschütterndes Beispiel ist der Fall des „vergessenen Häftlings von Höchst“ aus dem Jahr 1979. Ein junger Mann wurde nach einem Verkehrsunfall im Keller des Höchster Gemeindeamts – dem sogenannten „Gemeindekotter“ – inhaftiert und dort schlichtweg vergessen. Erst nach 18 Tagen ohne Nahrung und Wasser wurde er durch Zufall befreit. Die Reaktion des Innenministeriums erfolgte unmittelbar und systemweit: In ganz Österreich wurden Arrest­räume mit Klingeleinrichtungen ausgestattet, um Inhaftierten Gehör zu verschaffen. Zudem wurden strengste Kontroll- und Aufzeichnungspflichten normiert.

•Nach den verheerenden Lawinen-Katastrophen im Großen Walsertal, die 125 Todesopfer forderten, löste das Innenministerium 1956 die Beschaffung des ersten Hubschraubers aus. Bemerkenswert ist, dass bei den vorangegangenen Rettungseinsätzen 1954 erstmals in Europa Hubschrauber zur gezielten Hilfeleistung bei Naturkatastrophen eingesetzt wurden. Dieser Einsatz begründete die Rolle der Gendarmerie als integraler Pfeiler des alpinen Rettungswesens.

•Trotz ihrer langen Geschichte blieb die Gendarmerie über 135 Jahre lang eine rein männlich geprägte Domäne. Erst im Januar 1984 begann eine vorsichtige Öffnung, als die ersten acht Frauen für den Kriminaldienst aufgenommen wurden. Diese Pionierinnen wurden speziell in den sensiblen Bereichen Kindesmisshandlung und familiäre Gewalt eingesetzt. Der Erfolg dieser ersten acht Beamtinnen war die unabdingbare Voraussetzung für jede weitere Einstellung. Dennoch dauerte es bis 1991, bis der allgemeine Gendarmeriedienst für Frauen geöffnet wurde. Im Dezember 1991 traten schließlich die ersten 13 Frauen ihre Ausbildung in der Gendarmerieschule Feldkirch-Gisingen an.

•Ein Projekt, das heute bundesweit als Vorbild für moderne Öffentlichkeitsarbeit gilt, hat seine Wurzeln im Jahr 2000 in Vorarlberg. Markus Amann initiierte die „Kinder-Gendarmerie“, um spielerisch Vertrauen zwischen der Staatsmacht und den jüngsten Bürgern aufzubauen. Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren konnten durch das Lösen von Aufgaben einen eigenen „Dienstausweis“ erwerben. Diese Kinder erhielten das symbolische Recht, Erwachsene auf Fehlverhalten hinzuweisen und – als Zeichen besonderer Verbundenheit – zu offiziellen Beamten „DU“ zu sagen.

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Foto: VN-Archiv/Hofmeister