Erinnerungskultur lebendig halten
Rundgang: Die Schattenseiten des Nationalsozialismus in Lochau
Foto: Manfred Schallert
Großes Interesse am geführten Dorfrundgang zur örtlichen Geschichte des Nationalsozialismus zeigten die Bewohner der Marktgemeinde Lochau. Eingeladen hatte der Ausschuss für Raumplanung und Ortsentwicklung mit Obfrau Judith Wellmann.
Judith Wellmann brachte es bei der Begrüßung auf den Punkt: „Wenn wir heute gemeinsam durch Lochau gehen, sprechen wir auch über Menschen, die verfolgt, ausgegrenzt und ermordet wurden. Unser Rundgang soll an die Opfer erinnern und lokale Geschichte sichtbar machen.“ Außerdem werde über Entscheidungen, über Mut und Wegschauen, über Verantwortung – und darüber, wie sich Geschichte auch in unserem Ort, in unserer unmittelbaren Umgebung ereignet hat, – gesprochen.
Fachkundige Begleitung
Als Referentin konnte Stefanie Oberscheider-Preiner gewonnen werden. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit der Vermittlung regionaler Zeitgeschichte. Im Rahmen der „NS-Erinnerungskultur“ besucht sie mit den Bewohnern vor Ort historische Plätze und vermittelt die Schicksale der Menschen auf eindrucksvolle und lebendige Weise.
Der Rundgang, angeführt von Stefanie Oberscheider-Preiner, die sich seit vielen Jahren intensiv mit der Vermittlung regionaler Zeitgeschichte beschäftigt, begann vor dem neuen GemeindeHaus. Stationen waren das alte Gemeindeamt, das im Sommer 2016 abgebrochen wurde. Dort befanden sich Postamt, Parteiräume und eine Wohnung für den Ortsgruppenleiter. Der Friedhof mit dem Kriegerdenkmal und dem Ehrengrab des Heimatdienstmannes Edwin King. Er wurde von Nationalsozialisten ermordet. Beim Brauereigasthof Reiner und dem alten Schulhüsle mit Blick auf das Jesuheim und das ehemalige Armenhaus Landstraße 30 wurde an die Deportation und Ermordung von Erwachsenen und Kindern mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen gedacht. Der Rundgang endete beim Seehotel Am Kaiserstrand, das 1940 zur Reichszollschule wurde. (bms/Gastbeirag)






