Auf einem Schwarzweißfoto lächelt eine Frau in einem weißen Hemd.

Silvia Böhler

Integration auf „Vorarlbergerisch“


Häs, Grumpera, hudla oder tschutta? Das sind mögliche Wörter, die Migranten in Vorarl-
berg künftig lernen sollen – zumindest, wenn es nach den Wünschen von Integrationsministerin Claudia Bauer geht.

Aktuell sollen Deutschkurse reformiert und ab dem Sprachniveau B1 auch regionale Mundart angeboten werden.

„Deutsch ist der Schlüssel für eine gelungene Integration“, sagt dazu Claudia Bauer. Ohne Deutsch funktioniere in Österreich nichts – nicht beim Arzt,

nicht in der Schule, nicht in der Arbeit. Keine Frage, die Integration hat mit der Sprache zu tun. Je besser man sich verständigen kann, desto leichter fallen einem die alltäglichen Dinge und desto einfacher können auch Kontakte geknüpft werden. Aber muss dazu Dialekt gesprochen werden? Definitiv nein.

Schon bei Jugendlichen verliert die Mundart an Bedeutung. Wer sagt heute noch Ross zum Pferd, oder Stuba zum Wohnzimmer? Dazu kommen zahlreiche Anglizismen. Jeder Teenager weiß heute was Selfies und Follower sind. Eine Studie der Soziolinguistin Julia Davydova zeigt: Mehr als die Hälfte der Vorarlberger Jugendlichen nutzt täglich Englisch im Internet. Beliebt sind TikTok und YouTube, aber auch englischsprachige Filme und Serien. Und das hat Auswirkungen auf die Sprache der Jugendlichen - viele nutzen Englisch auch im Alltag. Laut Davydova sind Teenager damit keine klassischen Fremdsprachenlernenden mehr, sondern sie nutzen Englisch immer mehr wie eine Zusatzsprache.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Während Jugendliche längst zwischen Deutsch und Englisch wechseln, sollen Zugewanderte „Häs“ und „Grumpera“ büffeln? Fördert das tatsächlich die Integration? Das Erlernen eines Dialekts kann meiner Meinung nach Hürden beim Verständnis abbauen. Aber Integration mit ein paar regionalen Wörtern erreichen zu wollen, halte ich für fragwürdig. Dazu braucht es mehr.
Sollen sich Menschen als Teil der Gemeinschaft fühlen, ist nicht der Dialekt entscheidend, sondern die Chancen am Arbeitsmarkt, die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, gegenseitiger Respekt und Wohlwollen. Alles andere greift zu kurz und ist reine Symbolpolitik – oder auf Vorarlbergerisch: Gfrötzlat.