Zur Kolumne „Ein jeder schau vor seiner Tür ...“ Sehr geehrter Herr Beib, Ihre Kolumne „Ein jeder schau vor seiner Tür …“ vom 16. April 2026 kann nicht unbeantwortet bleiben. Wogegen sich der Widerstand in der gesamten Region richtet, darüber informiert unter anderem der Verein SOS Walgau auf deren Website mit interessanten Videos. Die Müllreporter mit ihren Faktenchecks nörgeln nicht, sie machen aufmerksam. Auch vom Verein Gesunder Lebensraum Göfis gab es eine sehr interessante Informationsveranstaltung zur Müllverbrennungsanlage. Um auf Ihre Kolumne zurückzukommen: In den Einwendungen der Gemeinde Göfis steht im Punkt Gesundheitsgefährdung geschrieben, dass sich die CO2-Emissionen verdreifachen würden. Sie werden nicht kleiner, wie Sie angemerkt haben! Es geht nicht nur darum, fossile Brennstoffe zu ersetzen, es dürfen auch keine neuen Gefahrenquellen entstehen. In der Arte Mediathek gibt es die Dokumentation „Giftmüll: Grundwasser in Gefahr“. Trotz positivem Gutachten ist nun das Trinkwasser von sechs Millionen Menschen in und um das Elsass gefährdet! Ich ziehe meinen imaginären Hut vor der Frastanzer Gemeindevertretung und vor Bürgermeister Walter Gohm, die das Rondo-Projekt nun neu bewertet haben. Auch in der Stellungnahme der „Bürgerinitiative der besorgten BürgerInnen“ ist belegt, dass das Vorhaben der Firma Rondo nicht umweltverträglich und nicht genehmigungsfähig ist.
Herr Tittler kritisiert die Marktgemeinde Frastanz Die Gemeindevertretung der Marktgemeinde Frastanz hat das Projekt Reststoffkraftwerk (=Müllverbrennungsanlage) in der letzten Sitzung abgelehnt. Laut VN kritisiert Landesrat Tittler diese Entscheidung. Als Unternehmer verstehe ich, dass die Firma Rondo über diese Entscheidung enttäuscht ist. Auch, dass sie von der Wirtschaftskammer als Interessensvertretung unterstützt wird. Die Gemeindevertreter haben zwischen den Interessen der Firma Rondo und den Interessen der Bevölkerung abgewogen und trafen einstimmig diese Entscheidung. Ich erwarte mir von Ihnen als gewählter Landespolitiker, dass auch Sie neben Ihrer Unternehmersicht auch die Bedenken der Bevölkerung wahrnehmen, die wohlüberlegte Entscheidung der Gemeindevertretung und des Bürgermeisters respektieren und wertschätzen und dies in ihren Kommentaren auch zum Ausdruck bringen. Sie sind in Ihrer Funktion als Wirtschaftslandesrat auch Vertreter der Bevölkerung.
Energiezentrale der Firma Rondo Die im Zusammenhang mit der geplanten Energiezentrale in Frastanz vom IV-Präsidenten verwendete Einordnung als „Beitrag zur Dekarbonisierung“ wirft aus meiner Sicht grundlegende Fragen auf. Wer Kunststoffabfälle thermisch verwertet, setzt CO2 aus fossilen Quellen frei. Daran ändert auch eine effiziente Energiegewinnung nichts. Laut UVP-Unterlagen ist sogar von einem bis zu dreifach höheren CO2-Ausstoß auszugehen, wobei die biogenen Abfälle schon herausgerechnet wurden. Unter diesen Umständen wirkt der Begriff Dekarbonisierung irreführend. Es steht außer Frage, dass Rondo mit dem Projekt seinen Gasverbrauch reduzieren kann. Im Hinblick auf die Erreichung der Klimaziele gibt es jedoch bessere Konzepte. Die möglichen Alternativen - sowohl für die Entsorgung von Müll als auch zur Deckung des Wärmebedarfs der Firma Rondo - müssen im Rahmen des UVP-Verfahrens umfassend und ergebnisoffen untersucht und bewertet werden. Die kritische Haltung der Marktgemeinde Frastanz ist auch vor diesem Hintergrund nachvollziehbar. Die grundsätzliche Frage, ob eine Müllverbrennungsanlage in private Hände gehört, bleibt berechtigt; es geht nämlich um langfristige Verantwortung und nicht nur um kurzfristige wirtschaftliche Interessen. Die Energiewende braucht klare Begriffe und wirksame Maßnahmen zur Emissionsreduktion. Alles andere untergräbt die Glaubwürdigkeit der Klimapolitik.
Mündige Bürger lassen sich nicht einseifen Rondo hat ein Marketing-technisch exzellentes Flugblatt herausgebracht, welches erklärt, dass Reststoffe zu Vorarlbergs Energiequellen gehören und keine schwarzen und gelben Säcke verbrannt werden. Das stimmt, es wird der Inhalt der Säcke zuerst von anderen Firmen aufbereitet. So werden die Verdauungsprodukte der Vorarlberger Babys mitsamt Gebinde - im Geschäft als Windel verkauft - zu Reststoffen, was nach der Aufbereitung und vor der Verbrennung in Frastanz als „Feste Siedlungsabfälle“ bezeichnet wird. Die Verdauungsprodukte von Menschen, die kein Gebinde mehr brauchen, sondern ihre Reststoffe in der Regel durch die Kanalisation schicken, heißen nach der Aufbereitung und vor der Verbrennung in Frastanz: „Abfälle aus Wasseraufbereitung und Abwasserbehandlung“. Im Edikt wurde auch verkündet, nur „nicht gefährliche Abfälle“ zu verbrennen. In der Regel ist Abfall ungefährlich. Wer hat sich jemals vor einem Joghurtbecher oder einem kaputten Schuh gefürchtet? Gefährlich und zum Fürchten werden diese Produkte erst, wenn sie verbrannt werden und giftige Stoffe wie Dioxine, Furane und PFAS entstehen! Liebe Rondo, sie haben prächtig versucht uns weichzuspülen, wir sind jedoch jahrelang von bestens aufbereiteter Werbung berieselt, zu mündigen Bürger:innen geworden, die gut mit Propaganda umgehen können.
Rondo und die „Säcke“ Am 14.4.2026 lese ich in den Medien: „Rondo Kraftwerk: Wir verbrennen keine schwarzen oder gelben Säcke!“ Natürlich schichtet Rondo nicht die gelben Säcke, wie sie monatlich die Straßenränder zieren, in ihre geplante Verbrennungsanlage, so wie wir Holzstücke in den Kachelofen geben. Die Inhalte werden „aufbereitet“, geschreddert, also weiterverarbeitet, und gelangen dann, quasi „mundgerecht“, durch die Öffnung der Wirbelschichtverbrennung in den Verbrennungsraum. Derart „aufbereitet“ wird dieses Brandgut Ersatzbrennstoff (EBS) genannt. Auch der Inhalt des schwarzen Sackes, bekannt unter dem Begriff Siedlungsabfall, wird für den Müllverbrennungsofen aufbereitet. Unter „festen Siedlungsabfällen“ subsumiert man Müll aus Wohnungen, öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten, Krankenhäusern und Tourismusbetrieben sowie abfallähnliche Stoffe aus Gewerbe- und Industriebetrieben. Im UVP-Antrag von Rondo sind unter „eingesetzte Brennstoffe“ unter anderm angeführt: Kunststoff und Gummiabfälle: 30.000 Tonnen pro Jahr. Feste Siedlungsabfälle einschließlich ähnlicher Gewerbeabfälle: 82.000 Tonnen pro Jahr Die Rondo Geschäftsführung spürt den wachsenden Widerstand und Gegenwind aus der Bevölkerung und geht mit Medien-Berichten und einer Postwurfsendung (beide am 15.4.2026) in die Offensive. Allerdings mit beachtlicher Verschleierung der Realität und äußerst reduziertem Wahrheitsgehalt!
Reaktion von Wirtschaftslandesrat Tittler auf die Ablehnung in Frastanz überrascht Viele Bürgerinnen und Bürger dürfte es vielmehr erstaunen, wie leichtfertig hier berechtigte Bedenken abgetan werden. Ein Reststoff-Kraftwerk ist letztlich eine Müllverbrennung und bringt zusätzliche Belastungen für Luft, Gesundheit und Umwelt. Wer Versorgungssicherheit fordert, darf nicht gleichzeitig neue Gesundheits- und Umweltrisiken schaffen. Zukunftsfähige Energiepolitik bedeutet mehr als den Ersatz von Gas durch Verbrennung. Der Ausstieg aus fossilem Gas ist notwendig und richtig. Auch energieintensive Betriebe brauchen Planungssicherheit. Doch der Ersatz durch ein Reststoff-Kraftwerk – also letztlich Müllverbrennung – ist keine zukunftsfähige Lösung für unsere Region. Ein erheblicher Teil des Mülls besteht aus fossilen Materialien wie Kunststoff – ihre Verbrennung verursacht weiterhin hohe CO2-Emissionen. Damit wird das Problem nicht gelöst, sondern lediglich verlagert und verstärkt. Stattdessen sollten konsequent Alternativen geprüft und umgesetzt werden: die Nutzung von Abwärme, der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien, Elektrifizierung von Prozessen oder innovative Technologien für klimafreundliche Prozesswärme. Diese Ansätze sind langfristig nachhaltiger und vermeiden zusätzliche Belastungen für Mensch und Umwelt. Denn es geht nicht nur um Energiepolitik, sondern auch um unsere Gesundheit, saubere Luft und den Schutz unseres Trinkwassers. Gerade in einer sensiblen Region wie Frastanz müssen solche Aspekte besonders sorgfältig abgewogen werden. Auch die Nähe zum Natura 2000-Gebiet darf nicht relativiert werden. Diese Schutzräume stehen für den Erhalt wertvoller Lebensräume – sie sind ein Auftrag, verantwortungsvoll mit unserer Umwelt umzugehen. Die Gemeindevertretung in Frastanz hat hier eine wichtige Verantwortung übernommen. Ihre ablehnende Haltung zeigt, dass lokale Interessen, Lebensqualität und nachhaltige Entwicklung ernst genommen werden. Gemeinden sind nicht nur Begleiter von Projekten, sondern auch Schutzinstanz für ihre Bevölkerung und ihren Lebensraum. Raus aus Gas – ja. Aber bitte mit Lösungen, die langfristig tragen: ohne Müllverbrennung, ohne neue Umweltbelastungen und mit echtem Blick in die Zukunft.