Fastentuch restauriert
Tuch aus dem Jahr 1740 gereinigt und konserviert
Foto: Bregenzer Atelier für Restaurierung / Elisabeth Fugmann
Eine ungewöhnliche Restaurierung konnte vor Kurzem im vorarlberg museum abgeschlossen werden: Das 81 Quadratmeter große Fastentuch aus der Pfarrkirche Bregenz St. Gallus wurde gereinigt und konserviert.
Seit dem 11. Jahrhundert werden in der Fastenzeit der Altarraum oder das Kreuz verhüllt. Ursprünglich mit großen Leintüchern als bewusster Verzicht auf die visuelle Pracht - das Auge sollte fasten - alle Konzentration gilt dem Wort Gottes, der Buße und inneren Umkehr. Die Redewendung „am Hungertuch nagen“ geht auf diese Tücher zurück.
Später erweitert sich die Funktion: Aus den Fasten- beziehungsweise Hungertüchern wurde die Bilderbibel. Menschen, die nicht lesen konnten, konnten auf diese Weise die Leidensgeschichte Christi erfahren. Das Fastentuch aus der Bregenzer Pfarrkirche St. Gallus beeindruckt nicht nur durch seine ungewöhnliche Darstellung des Kalvarienberges, sondern auch durch seine enorme Größe. Auf 9,80 x 8,30 Metern, auf insgesamt 81 Quadratmetern ist in sieben Stationen die Passion dargestellt. Das auf etwa 1740 datierte Tuch kam 1960 als Schenkung in die Sammlung des vorarlberg museums.
Nettes Detail
Zunächst schmückte es jedoch noch einige Jahre die Chorwand der Gebhardskirche in Bregenz-Vorkloster, bevor es 1987 einen Platz im Depot des Museums fand. Das Fastentuch war durch den sakralen Gebrauch stark mit Ruß verschmutzt und wurde deshalb gereinigt. Ebenso wurde es mit säurefreien Materialien archivgerecht neu verpackt und mit Zulagen aufgerollt, sodass keine neuen Falten und Schäden entstehen können. Insgesamt wurden 110 Stunden aufgewendet.
1962 wurde dieses Fastentuch fotografiert. Es wurde wohl auf dem Kirchenvorplatz ausgebreitet und der Fotograf hatte auf den Kirchturm zu klettern, um es in seiner Gesamtheit abzubilden. Das kann man als nettes Detail im Bild unten links erahnen: der VW Käfer. Um die aktuelle Restaurierung zu dokumentieren, wurden Einzelaufnahmen mittels digitaler Bildbearbeitung zusammengefügt. (pd)




