Auf einem Schwarzweißfoto lächelt eine Frau in einem weißen Hemd.

Silvia Böhler

Politik im Sommermodus


Der Sommer ist immer eine gute Gelegenheit für schöne Fotos. Selbst heimische Politiker zeigen sich auf den SocialMedia-Plattformen gerne privat in den Bergen, beim Eisessen oder mit viel Prominenz bei den Bregenzer Festspielen. Fast ein Sommer wie immer - wäre da nicht die enorme Hitze und Trockenheit.
In Europa brennen Wälder, Flüsse führen viel zu wenig Wasser, Grundwasserpegel sind so niedrig wie nie. Selbst im vermeintlichen Wasserland Österreich rufen Gemeinden zum Wassersparen auf. Während im Supermarkt jede Gurke bestens klimatisiert liegt, kämpfen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen mit überhitzten Räumen. Patienten und Bewohner erhalten mit nassen Waschlappen und kalten Fußbädern Linderung.


Besonders hart trifft es auch die Landwirtschaft. Weil Wiesen und Felder verdorren, gibt es zu wenig Futter für die Tiere und massive Ernteeinbußen. Einmal mehr fordern die Bauern deshalb so schnell wie möglich staatliche Hilfen. Und einmal mehr frage ich mich, welche anderen Unternehmen im Land werden eigentlich derart selbstverständlich mit Steuergeldern gestützt? Bauunternehmen, die aufgrund hoher Zinsen und gestiegener Baukosten reihenweise in den Konkurs schlitterten? Skiliftbetreiber, die aufgrund des fehlenden Schnees zusperren müssen?


Laut Österreichischem Institut für Wirtschaftsforschung stammen im Durchschnitt rund zwei Drittel des Einkommens der Landwirte aus Förderungen. EU, Bund und Land unterstützen mit Direktzahlungen, bei der Teilnahme an Umweltprogrammen, Ausgleichszulagen für benachteiligte Gebiete, Investitionsförderungen, und selbst die Österreichische Hagelversicherung, die den Bauern nun 400 Millionen Euro Entschädigung für die Dürre zahlt, wird zu 55 Prozent von der öffentlichen Hand gespeist. Schwer verständlich, dass nun weitere Zahlungen folgen sollen.


Obwohl wir von Klimaforschern wissen, was kommen wird - die Zahl der Hitzetage steigt von Jahr zu Jahr, extreme Wetterereignisse häufen sich - scheinen wir nicht darauf vorbereitet zu sein. Vielleicht werden die wirtschaftlichen und gesundheitlichen Gefahren der Hitze einfach noch unterschätzt. Oder man spricht lieber nicht darüber, weil es deutlich mehr braucht als finanzielle Hilfen. Besonders für die Politik scheint das Wort Klimaschutz unangenehm zu sein. Dabei ist klar: Wenn vom Klimaschutz die Rede ist, geht es nicht um irgendwelche abstrakte Zahlen und Klimaziele, sondern es geht um den Schutz von uns Menschen und unsere Lebensgrundlagen.


Der Klimawandel und seine Folgen lassen sich schlecht weglächeln – auch nicht in einem Sommer, der Gelegenheit für schöne Fotos bietet.