Auf einem Schwarzweißfoto lächelt eine Frau in einem weißen Hemd.

Silvia Böhler

Warum wir unsere Zeitungen brauchen


Immer mehr Zeitungen geht die Luft aus – oder deutlicher gesagt, das Geld. Werbekunden verlagern ihre Aktivitäten ins Internet, Stelleninserate werden auf der eigenen Homepage veröffentlicht, Aktionen in Newslettern oder auf Facebook und Instagram kundgetan. Damit geht den klassischen „Papierzeitungen“ viel Geld verloren. Mittlerweile wird an allen Ecken und Enden gespart – mit weitreichenden Folgen.


Eine Zeitung lebt von interessanten Themen und Geschichten. Geschichten, die die Leser informieren, berühren, unterhalten, das abbilden, was in den Gemeinden und Städten passiert und unmittelbar Auswirkungen auf die Menschen hat. Die Bedeutung der regionalen Berichterstattung unterstreicht auch eine jüngst veröffentlichte Medien-Analyse. Demnach informieren sich 60 Prozent der rund 14.400 Befragten via Zeitung und Zeitschriften über Kultur-/Freizeitangebote und Veranstaltungen in ihrer Nähe und sogar 70 Prozent über politische Entscheidungen und Entwicklungen in ihrer Region.


Doch den Spardruck bekommen auch die Redaktionen verstärkt zu spüren. Oft werden freigewordene Stellen nicht nachbesetzt. Zeit, umfassend zu recherchieren, bleibt wenig. Stattdessen wird in Zukunft wohl noch mehr auf Künstliche Intelligenz (KI) gesetzt. Kürzlich habe ich im Radio folgenden Vergleich gehört: „KI ist kein Werkzeug wie ein Schraubenzieher oder Hammer, sondern hat das Potenzial zu manipulieren.“ Die sozialen Medien sind ein sichtbares Beispiel dafür. Algorithmen wählen die Beiträge aus, die wir erhalten. Eine ausgewogene Information, um beispielsweise Pro und Contra abzuwägen, ist damit nicht möglich.


Ein Gefühl von Unbehagen macht sich mittlerweile selbst bei jungen Erwachsenen breit. Wie weit lassen wir es also zu, dass die KI die journalistische Arbeit übernimmt?
Klar, heute gibt es viele Möglichkeiten, sich zu informieren. Gemeinden und Städte haben ihre eigene Homepage, es werden Newsletter verschickt, Vereine, Bürgerinitiativen und mittlerweile ein Großteil der Politiker sind in den Sozialen Medien vertreten. Das ist jedoch nicht mit der Berichterstattung einer Zeitung gleichzusetzen. Egal ob Homepage oder Social Media – immer wird dort die Sichtweise der jeweiligen Verfasser abgebildet. Journalisten hingegen müssen sich an professionelle Standards halten, müssen Vielfalt abbilden, unabhängig sein und Dinge kritisch hinterfragen.


Um die Qualität der Berichterstattung ins Bewusstsein zu rücken, haben Zeitungsverleger des gesamten deutschsprachigen Raums den Tag des Lokaljournalismus ins Leben gerufen. Am 5. Mai wird darauf aufmerksam gemacht, dass zum einen durch das Internet gerade die klassischen Zeitungen immer mehr unter Druck geraten. Zum anderen aber auch, dass durch die unausgewogene Vielfalt der Informationen der Journalismus notwendiger denn je ist.