Ein Mann mit Brille und Bard lächelt.

Dietmar Hofer

Zusammensitzen statt langfristiger Verfahren


Seit Monaten gehen die Wogen wegen des geplanten Kraftwerks von Rondo-Ganahl in Frastanz hoch. Wie es aussieht, scheinen sich derzeit die Gegner durchzusetzen. Denn dass sich sogar die Standortgemeinde gegen den Bau ausspricht, führte sogar beim Unternehmen kurzzeitig zur Sprachlosigkeit.

Der Vorstandsvorsitzende Hubert Marte zeigte sich jedenfalls maßlos enttäuscht. Vor allem darüber, dass die Entscheidung nicht im direkten Austausch, sondern über die Medien ausgerichtet wurde. Wobei auch für das Unternehmen gilt, dass nicht von Anfang an offen kommuniziert wurde und auch mit der Politik hinter verschlossenen Türen verhandelt wurde. So kann man das Vertrauen der Bevölkerung nicht gewinnen.


Laut Presseaussendung des Unternehmens will man am Bau dennoch festhalten und hofft auf ein positives Ergebnis, was die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) betrifft. Da dort aber die Marktgemeinde Frastanz Parteienstellung hat, kann sie gegen einen Genehmigungsbescheid Einspruch erheben. Das wäre – um es salopp zu sagen – mutig, denn schließlich handelt es sich um einen Traditionsbetrieb, dessen Wurzeln bereits bis ins Jahr 1797 zurückreichen. Die erste Vorarlberger Papierfabrik wurde 1911 in Frastanz gegründet. 1950 stieg das Unternehmen in die Wellpappe-Produktion ein. Immerhin investiert das Unternehmen rund 110 Millionen Euro in das Kraftwerk (sofern es gebaut wird), was wohl gleichbedeutend mit einer Standortgarantie ist.


Mit ihrer Ablehnung riskiert die Gemeinde also, dass der Betrieb im Falle eines negativen UVP-Bescheides seine Investitionen an einem anderen Standort und anderem Land tätigt und am Werk in Frastanz Mitarbeiter abbaut oder das Unternehmen in fernerer Zukunft ganz schließt. Das wäre ein schwerer Schlag für den Industriestandort Vorarlberg und speziell für die Marktgemeinde, die drastisch an Kommunalsteuer-Einnahmen verlieren würde. Derzeit beschäftigt Rondo Ganahl am Standort Frastanz rund 300 Mitarbeiter. Eine autarke Energieversorgung (der Gasverbrauch würde um 90 Prozent reduziert) mit dem Kraftwerk bleibe das große Ziel des Unternehmens. Nur so könne man die Arbeitsplätze in Frastanz langfristig absichern, heißt es auch ganz klar vonseiten der Firma. So gesehen verwundert es wenig, dass sich sowohl Wirtschaftslandesrat Marco


Tittler als auch WKV-Präsident Karl-Heinz-Kopf hinter das Projekt stellen. Den Gemeindeverantwortlichen von Frastanz wiederum muss man zugutehalten, dass sie nicht (ausschließlich) nach wirtschaftlichen Interessen handeln, sondern die Sorgen und Ängste ihrer Bürger ernst nehmen. Auf der einen Seite steht ein Unternehmen, das sich unabhängig von Energieimporten machen will und Menschen, die um ihre Arbeitsplätze bangen, auf der anderen Seite stehen Menschen, die Angst davor haben, dass durch das Biomasse-Kraftwerk ihre Lebensqualität durch Lärm, mehr Verkehr oder Luftverschmutzung (wesentlich) beeinträchtigt wird. Im Endeffekt gibt es also kein Gut oder Böse, sondern „nur“ verschiedene Interessen.


Laut Verfassungsjurist Peter Bußjäger kann sich das Verfahren noch etliche Jahre ziehen. Damit droht dem Kraftwerksbau ein ähnliches „Schicksal“ wie der S18 in Lustenau oder dem Stadttunnel in Feldkirch, dass jahrzehntelang diskutiert, debattiert und beeinsprucht wird, bevor überhaupt etwas passiert. Generell ist jeder und jede für eine Energiewende, die weg von Öl und Gas führt. Auch die Politik. Nur unmittelbar vor der Haustüre soll sie dann auch wieder nicht passieren. Statt ewig langer Verfahren mit ständigen Einsprüchen wäre es eine Überlegung wert, dass sich doch alle Beteiligten an einen Tisch setzen würden. Eine offene, transparente Kommunikation von allen Seiten, könnte vielleicht zu einer schnelleren Lösung führen, die sicher auch Kompromisse braucht. Niemand hat etwas davon, wenn man jetzt den Beleidigten spielt. Noch ist der Karren nicht gänzlich verfahren. Denn es braucht sowohl starke, alteingesessene Industriebetriebe als auch ein gesundes Lebensumfeld. Das darf kein Widerspruch sein. Vor allem, wenn es um die Zukunft von Frastanz, des Walgaus und des Landes geht.