
Silvia Böhler
75 Tage ohne Lohn
Dieser Tage wird mit dem Equal Pay Day wieder an die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männer erinnert. Während Männer seit dem 1. Jänner für ihre Arbeit bezahlt werden, arbeiten die Frauen in Österreich bis zum 11. Februar rechnerisch gratis. In Vorarlberg sogar bis zum 16. März, denn die Diskrepanz der Löhne beträgt im Ländle rund 20 Prozent. Bereits bei der Lohneinstufung zu Beginn des Arbeitsverhältnisses werden Frauen diskriminiert und erhalten weniger Geld als ihre männlichen Kollegen. Und nach der Geburt eines Kindes und der damit verbundenen Stundenreduzierung verdienen Frauen oft nur noch die Hälfte des vorherigen Einkommens. Demgegenüber haben nur wenige Männer Einbußen.
Die Politik verspricht seit ewigen Zeiten, die Lohnlücke zu schließen. Zu diesem eklatanten Missstand beziehen dennoch nur einige wenige Politiker Stellung. Die zuständige Landesrätin Barbara Schöbi-Fink, in der Regierung für Frauen und Gleichstellung verantwortlich, hat sich meines Wissens noch nicht zu Wort gemeldet. Vielleicht auch, weil dann einmal mehr die Kluft zwischen politischen Reden und Realität sichtbar würde.
Kritik äußerten hingegen vergangene Woche Eva Hammerer und Bernie Weber (beide Grüne). Sie präsentierten eine Reihe an Forderungen, die von einer kostenlosen Kinderbetreuung über die faire Verteilung der unbezahlten Sorgearbeit bis hin zur Lohntransparenz und einer FairPay-Zertifizierung als Voraussetzung für öffentliche Aufträge reichten. Ähnliche Forderungen formulierte auch Julia Berchtold (ÖVP). Sie verlangt, die Lohngerechtigkeit auf die politische Agenda zu setzen. Ein Einkommensunterschied von rund 20 Prozent beziehungsweise 75 Tage unbezahlte Arbeit der Frauen seien ein klarer Handlungsauftrag.
Dass die Politik handeln muss, ist für mich klar. Stellt sich nur die Frage, wem die Verantwortung zugeschoben werden kann? Außer Hammerer, Weber und Berchtold sitzen weitere 33 Politiker im Vorarlberger Landtag und hätten die Möglichkeit, aktiv zu werden. Neue Hoffnung gibt zumindest die Europäische Union. Die Weiterentwicklung des Entgelttransparenzgesetzes soll noch mehr Transparenz schaffen und muss bis zum 7. Juni 2026 in den Mitgliedsstaaten umgesetzt sein. In Österreich gibt es dazu bislang aber noch keinen finalen Gesetzesentwurf. Es wäre also höchste Zeit, sich im Sinne aller benachteiligten Frauen einzubringen und für eine gutes Gesetz zu sorgen. Nur Forderungen zu formulieren, reicht nicht.







