Aus Anderssein wird Ausgrenzung

Mobbing sichtbar machen und Betroffenen Mut geben

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    Sabine Hirsch aus Tosters.

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Foto: Sabine Hirsch

Die Geschichte eines 11-jährigen Feldkirchers zeigt, welche Folgen Mobbing haben kann und wie wichtig es ist, rechtzeitig Hilfe einzufordern. Seine Mutter Sabine Hirsch hat einen Verein gegründet und will so weiter auf das Thema aufmerksam machen.

Mobbing kann jedes Kind treffen. Oft reicht es schon, nicht dem Bild zu entsprechen, das eine Gruppe als normal oder cool empfindet. Andere Interessen, eine zurückhaltende Art oder einfach das Gefühl, nicht dazuzugehören, können zur Ausgrenzung führen. 


Was im Jahr 2024 in einer Feldkircher Volksschule begann, entwickelte sich für einen damals neunjährigen Buben zu einer belastenden Erfahrung, die ihn über Jahre begleiten sollte. Aus anfänglichen Sticheleien und Ausgrenzungen wurde eine Situation, die weit über gewöhnliche Konflikte unter Kindern hinausging. Angst vor dem Schulbesuch, Schlafprobleme und ein zunehmender Rückzug bestimmten seinen Alltag.

Nicht Fußballprofi
Heute hat sich der 11-Jährige mit Unterstützung seiner Familie, seines Umfelds und der Schule zurück in ein stabiles Leben gekämpft. Für seine Mutter Sabine Hirsch war dieser Weg nicht nur eine große persönliche Herausforderung, sondern auch der Auslöser, sich intensiv mit dem Thema Mobbing auseinanderzusetzen. Dabei wurde ihr bewusst, dass Ausgrenzung oft dort beginnt, wo Kinder nicht den Erwartungen einer Gruppe entsprechen. „Wer andere Interessen hat oder anders denkt, kann schnell in die Rolle des Außenseiters geraten.“ Nicht das Anderssein selbst sei das Problem, sondern der Umgang damit. Ihr Sohn hat einen Traum, der für viele Kinder eher ungewöhnlich erscheint. Er möchte später Landwirt werden und mit 146 Kühen arbeiten. Für Sabine Hirsch steht dieser Wunsch beispielhaft dafür, dass Kinder ihre eigenen Interessen und Zukunftsvorstellungen entwickeln dürfen sollten, ohne dafür ausgegrenzt oder ausgegrenzt zu werden.

Es gibt zwei Seiten
In ihrer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema hat Hirsch allerdings auch gelernt, Mobbing nicht nur aus der Sicht der „Opfer“ zu betrachten. Für sie geht es darum, beide Seiten zu stärken. Kinder, die zur Zielscheibe werden, sollen lernen, Grenzen zu setzen, sich Unterstützung zu holen und sich nicht dauerhaft in die Opferrolle drängen zu lassen. Gleichzeitig müsse man sich auch fragen, was hinter dem Verhalten jener Kinder steckt, die andere ausgrenzen oder verletzen.

Oft würden hinter aggressivem Verhalten eigene Unsicherheiten, Probleme oder Belastungen stehen. Das könne helfen, Verhalten zu verstehen, sei aber keine Entschuldigung. Denn unabhängig davon, warum ein Kind andere mobbt, müsse klar sein, dass Gewalt und gezielte Ausgrenzung nicht akzeptiert werden können. „Es gibt auch einfach gemeines Verhalten“, sagt Hirsch. Wenn ein Kind einem Täter oder einer Gruppe nicht mehr aus eigener Kraft ausweichen kann, brauche es Hilfe von außen. Eltern, Lehrpersonen und andere Bezugspersonen seien dann gefordert, hinzuschauen und einzugreifen.

Eine große Hürde sei allerdings bereits der Schritt dorthin. Betroffene Kinder müssten den Mut aufbringen, zu sagen, dass sie Hilfe brauchen. Aus Scham, Angst oder der Sorge, dass sich die Situation dadurch noch verschlimmert, würden viele lange schweigen. Für Hirsch ist es deshalb wichtig, Kindern zu vermitteln, dass es keine Schwäche ist, Unterstützung einzufordern.


„Du bist nicht allein“
Aus den Erfahrungen ihrer eigenen Familie heraus gründete Sabine Hirsch im April den Verein „Wir setzen ein Zeichen - Gegen Mobbing und Gewalt“. Was zunächst aus dem Wunsch entstand, dem eigenen Sohn zu helfen, entwickelte sich zu einer Aufgabe, die inzwischen weit über die eigene Familie hinausgeht. Zahlreiche Gespräche mit Eltern hätten ihr gezeigt, wie viele Familien mit ähnlichen Situationen konfrontiert sind.

Am Samstag, 26. September, 16 Uhr, lädt Hirsch in den Löwen Tisis ein, um ihre Sicht zu erläutern. Ebenso wird Carten Stahl einen Impulsvortrag zum Thema halten. Anmeldungen unter wirsetzen-einzeichen@outlook.com. (ice)


Info:

Verein „Wir setzten ein Zeichen - Gegen Mobbing und Gewalt“
www.wirsetzen-einzeichen.com


Professionelle Hilfe holen

Der Fall von Sabine Hirsch und ihrem Sohn ist auch der Bildungsdirektion Vorarlberg bekannt, ebenso wie zahlreiche andere Fälle von Mobbing an Schulen. 

Wichtig sei, so die Bildungsdirektion, dass Betroffene wissen, wohin sie sich wenden können, und sich nicht scheuen, Hilfe einzufordern. Der erste Schritt erfolgt über die Lehrperson, den Schulsozialarbeiter (bei Bedarf auch die Bezirksberatungsstelle der Schulpsychologie) oder die Direktion der jeweiligen Schule. Unterstützt werden die Schulen durch die Koordinationsstelle Mobbing (KoMo) in der Bildungsdirektion. Selbstverständlich können sich Schüler oder Eltern auch direkt bei der KoMo melden. Die KoMo ist telefonisch und per E-Mail erreichbar. Ein Online-Kontaktformular ist in Vorbereitung, das den Zugang künftig noch niederschwelliger ermöglichen soll. Neben der Beratung in konkreten Fällen gehören auch Prävention, Sensibilisierung, Vernetzung sowie die Mitwirkung an Fort- und Weiterbildungen zu den Aufgaben der KoMo. (ice)


Info:

Koordinationsstelle Mobbing
Bildungsdirektion für Vorarlberg
Bahnhofstraße 10, 6900 Bregenz
Telefon: 05574 4960 310
Mail: mobbing@bildung-vbg.gv.at