
Silvia Böhler
Das Privileg zu reisen
Urlaub ist für viele die schönste Zeit des Jahres – Wochen, manchmal Monate, auf die wir sparen und hinfiebern. Denn der Alltag verlangt uns viel ab: Beruf, Familie, Termine, Verpflichtungen, ständige Erreichbarkeit. Urlaub bedeutet deshalb weit mehr als nur freie Tage. Er bedeutet Abstand. Abstand vom Terminkalender, vom Laptop, von der täglichen Routine. Genau diesen Abstand brauchen wir. Einige zieht es in den Ferien an den Strand, andere in die Berge und wieder andere zum Wellnessen oder auf den Campingplatz.
So oder so – der Nutzen von Urlaub und Erholung ist wissenschaftlich gut belegt. Sie reduzieren Stress, fördern die Gesundheit und können sogar die Lebenserwartung erhöhen. Nicht zufällig ist deshalb das Recht auf Erholung, Freizeit und sogar bezahlten Urlaub in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen verankert.
Natürlich muss man deswegen nicht ans andere Ende der Welt fliegen. Auch ein paar freie Tage zu Hause, eine Radtour oder eine Wanderung können guttun – und sind dazu noch klimafreundlicher. Trotzdem möchte ich hier eine Lanze für das Reisen brechen. Denn Reisen schafft nicht nur eine räumliche Distanz zum Alltag, sondern es bringt uns auch andere Menschen, Kulturen und Lebensweisen näher. Reisen weitet den Horizont und erinnert zumindest mich daran, dass die Welt größer ist als mein eigener Alltag.
Ich denke noch heute gerne an meine Interrail-Reise als Jugendliche quer durch Europa oder an die späteren Reisen nach Afrika und Amerika. Solche Erlebnisse und Erfahrungen lassen sich weder kaufen noch nachholen. Sie verändern unseren Blick auf die Welt – und verändern auch uns selbst. Genau deshalb ist Reisen weit mehr als Erholung. Es ist ein Privileg, das leider nicht allen Menschen offensteht – sei es aus wirtschaftlichen, politischen oder gesundheitlichen Gründen.
Die Möglichkeit zu reisen, dürfen wir deshalb nicht als selbstverständlich erachten.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen erholsamen und bereichernden Urlaub.






