Rücktritte in der Bibliothek Raggal

Das gesamte Team legte Funktion nieder – Bibliothek soll aber bleiben

  • Bildtitel

    Klaudia Büchel legte die Leitung der Bibliothek zurück. 

    Button

Foto: privat

Mitte März legte das gesamte zwölfköpfige Team seine Funktionen in der Bibliothek Raggal zurück. Persönliche Differenzen mit der Gemeinde waren ausschlaggebend.

Die Walserbibliothek Raggal ist nicht nur eine „kleine Bücherei“. Sie ist mit 7.000 Medien ausgestattet und auch österreichweit ein Vorzeigeprojekt, das sogar mit Preisen ausgezeichnet wurde. Besonders hervorgehoben wurde auch das eigene Jugendbücherteam, das mit Schulen, Kindergärten und anderen Einrichtungen des Landes zusammenarbeitete. Im Juli 2004 wurde die „Walserbibliothek Großes Walsertal“ als Kooperation der sechs Walserbibliotheken ins Leben gerufen. Somit steht der Bevölkerung des Tales in jeder der sechs Gemeinden eine öffentliche Bücherei zur Verfügung.
Mitte März kam es nun zum großen Eklat. Denn das komplette Raggaler Bibliotheksteam, das aus zwölf ehrenamtlich tätigen Frauen bestand, trat geschlossen zurück. „In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Differenzen zwischen der Büchereileitung und der Gemeinde Raggal als Träger. Diese Unstimmigkeiten haben unsere ehrenamtliche Arbeit zunehmend erschwert und unsere Motivation gehemmt“, heißt es im Schreiben, das von Bibliotheksleiterin Klaudia Büchel verschickt wurde. Nach 23 Jahren intensiver und erfüllender Tätigkeit in der Bibliothek legte die 55-jährige gelernte Buchhalterin die Leitung zurück. Und mit ihr auch das gesamte Team. „Leider ist das gegenseitige Vertrauen mit der Gemeinde nicht mehr gegeben“, heißt es unter anderem in der Begründung.

Um Lösung bemüht
Nicht nur am heutigen Welttag des Buches sollte der Wert von gedrucktem Lesestoff hoch sein. Gemeindebibliotheken spielen bei der Vermittlung eine große Rolle, da Bücher und andere Medien ausgeliehen werden können. Um diesen Schatz möglichst allen zugänglich zu machen, hatte die Bibliothek Raggal an vier Tagen die Woche zu unterschiedlichen Zeiten geöffnet.
Das „Walgaublatt“ fragte bei der Raggaler Bürgermeisterin Alexandra Martin nach, die wiederum die Bibliotheks-
agenden vor fünf Jahren an Vizebürgermeister Joachim Bickel abtrat. In der Gemeinde bedauert man den Schritt, will sich jedoch nicht öffentlich äußern, um keine Emotionalität zu schüren. Man sei jedoch bemüht, eine Übergangslösung zu finden, damit die Bibliothek wenigstens vorübergehend an einem Tag pro Woche geöffnet bleibt. (dh)